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17. Juni 2017

Unterm Strich

Illegaler Zwiebelfleischkäs’: Rettet ein Urteil die Schwaben vor der Veganisierung?

Von Holger Knöferl

Zwiebelrostbraten – das ist der Gipfel der schwäbischen Küche. Ihn zuzubereiten, ist eine Kunst. Und das Wort auf Schwäbisch Richtig auszusprechen auch: "Zwiiblroschbroda", das "o" offen gesprochen, ginge in die richtige Richtung. Der Zwiebelrostbraten ist dem Schwaben ein Heiligtum. Das bleibt unangetastet. Auf immer und von jedem.

Doch dem ist nicht mehr so. Unser Mitgefühl muss unseren alemannischen Landsleuten gelten – denn womöglich schleift eine Berliner Foodbloggerin dieser Tage ausgerechnet diese Bastion. Lisa Geiger heißt die Autorin und ihr Buch, das in wenigen Tagen in den Handel kommen soll, trägt den Titel "Schwäbisch vegan – Über 50 gscheide Rezepte aus’m Ländle". Die heiß geliebten Spezialitäten der Großmutter hat sie veganisiert – die Prenzlschwäbin wird es zu schätzen wissen; wie die gestandene schwäbische Hausfrau reagiert, bleibt abzuwarten. Ob es den Zwiebelrostbraten tatsächlich erwischt, ist noch offen. In der Pressemitteilung zum Buch kündigt der Verlag aber vegane Rezepte für Flädlesuppe, Maultaschen und Zwiebelfleischkäs’ an.

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Womit sich indessen eine diskussionswürdige Frage stellt: Warum verleibt sich der Veganer "Zwiebelfleischkäs’" ein? Da ist ja qua Begriff jede Menge Zeug drin, das auf dem veganen Teller nichts zu suchen hat: Fleisch und Käse. Und jetzt kommt’s. Das Ganze ist auch noch illegal. Denn der Europäische Gerichtshof hat am Mittwoch entschieden, dass veganer Käse überhaupt nicht "Käse" heißen darf. Weil in Käse Milch drin sein muss, die aus tierischen Eutern kommt – um es verkürzt zu formulieren.

Dieser Logik folgend muss in einem Zwiebelrostbraten auch ein anständiges Stück Rindfleisch drin sein – Tofu scheidet deshalb aus. Es gibt also noch Hoffnung für unsere schwäbischen Nachbarn. Ob ihnen indessen genug Patriotismus zu eigen ist, ihr Nationalgericht bis vor den Europäischen Gerichtshof zu verteidigen – das steht schon wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Autor: kerl