UNTERM STRICH: Kaffee – rein statistisch

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 09. Juni 2018

Kolumnen (Sonstige)

Mit Milch, mit Zucker, im Mehrwegbecher: Deutsche Trinkgewohnheiten / Von Alexander Dick.

"...Du findest Keine, die Dir passt– – – Kaffeehaus! Du stehst innerlich vor dem Selbstmord – – – Kaffeehaus!..." dichtete Peter Altenberg vor 100 Jahren als Eloge an den Ort, der für ihn, wie auch viele andere Literaten seiner Zeit, gerade in Wien, Ersatz für die Wohnung war. Heutzutage flögen die Herren Altenberg, Bahr und Kisch schnell aus diesen Kulturoasen. Denn infolge chronischer Geldnöte konnten sich die Literaten gerade mal einen "verlängerten Braunen" leisten. Die ihnen wohlgesonnen Kellner füllten dezent das obligatorische Glas Wasser nach.

Kein Geschäftsmodell für die Gegenwart, und so ist ein namhafter deutscher Kaffeeröster in der von ihm in Auftrag gegebenen Studie über das Lieblingsgetränk der Deutschen eher daran interessiert, wer wie und wie viel davon zu sich nimmt. Und wo. Da Wien bekanntlich auf dem Balkan liegt, kommt es in der Umfrage nicht vor. Und so findet man dann das Mekka der Kaffeetrinker heute – im Saarland. Hä? Warum? Keine Ahnung.

Vielleicht ist das schwarze aromatische Getränk für die Ex-Kumpels dort eine Art Kohleersatz. Umfragen liefern einem Ergebnisse – über deren Ursachen müssen andere nachdenken. Zum Beispiel über die Frage, weshalb Männer mehr Kaffee trinken am Tag als Frauen: 3,6 zu 3,2 Tassen. Oder warum das weibliche Geschlecht seinen Kaffee deutlich häufiger mit Milch einnimmt als das männliche: 50,7 Prozent zu 38,7 Prozent. Ist das nun bereits ein Fall für Gleichstellungsbeauftragte? Und was soll man davon halten: 55,2 Prozent der Baden-Württemberger beginnen ihren Kaffeekonsum bereits zwischen elf und 16 Jahren. In Hamburg, wo doch so viel geröstet wird, geht’s erst danach los. Auch ein Nord-Süd-Gefälle.

Meine Herren, nun die schlechte Nachricht: Viel zu wenige von uns nehmen ihren Coffee-to-go in einem Mehrwegbecher ein, nur 15,4 Prozent (Frauen: 22,2 Prozent). Sagen wir mal so: Nur wer das Kaffeehaus kennt, weiß, dass nicht der Pappbecher das Problem ist. Sondern der Coffee-to-go...