UNTERM STRICH: Kunst macht Arbeit

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Di, 20. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Was die Feuerwehr bei "Biedermann und die Brandstifter" wollte / Von Heidi Ossenberg.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit". Karl Valentin, der legendäre Münchner Komiker, Sänger und Filmproduzent wusste, wovon er sprach – und auch mehr als 70 Jahre nach seinem Tod kann die Kultur-Redakteurin ihn für seine treffende Ausdrucksweise nur bewundern. Viel Arbeit macht Kunst natürlich auch anderen – Valentin hätte das jetzt nicht so ausgedrückt – Angehörigen der Kreativbranche. Also etwa Regisseuren am Theater. Sie entscheiden sich für ein Stück und müssen dann eine Vision davon entwickeln, wie es auf der Bühne dargeboten wird. Gute Schauspielerinnen und Schauspieler sind dabei in der Regel hilfreich. Gleiches gilt für Requisiten.

Bei der Wahl dessen, was auf der Bühne so herumsteht oder -liegt, sind die Stückeeinrichter natürlich frei – wobei langjährige Seherfahrung zeigt, dass Regisseure bei manchen Stücken um gewisse Requisiten nicht herumkommen: beim "Sommernachtstraum" ist’s der Eselskopf, bei "Hamlet" der Totenschädel. Beim "Tell" muss man schon ein sehr aufgeklärtes Publikum vor sich haben, um auf Apfel und Armbrust verzichten zu können. "Komischerweise spielen im Woyzeck immer Erbsen mit", hat mal eine Reinemachfrau am Theater Freiburg festgestellt – aus diesem Zitat wurde sogar der Titel des Buches, das 2010 zum 100-jährigen Bestehen des Hauses erschien. Dabei: Komisch ist das mit den Erbsen bei Woyzeck gar nicht; wird doch Büchners armer Antiheld vom sadistischen Arzt mit einer Erbsendiät gequält...

Aber wir schweifen ab. Auf die Idee zu diesem kleinen Text kamen wir, weil die Deutsche Presse-Agentur meldete, dass ausgerechnet während einer Vorstellung von "Biedermann und die Brandstifter" im Dortmunder Schauspielhaus der Bühnennebel einen Fehlalarm auslöste. Das Gebäude musste geräumt werden. Rauch als Requisit, das scheint bei Max Frischs Farce unverzichtbar. Und wir sehen ein: Arbeit macht Kunst nicht nur der Kreativbranche – sondern manchmal auch der Feuerwehr.