UNTERM STRICH: Linientreue Fortpflanzung

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mo, 09. April 2018

Kolumnen (Sonstige)

Was eine chinesische Samenbank von Spendern erwartet / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Die Chinesen sind mit knapp 1,4 Milliarden Menschen das größte Volk der Erde. In Sachen Fortpflanzung macht ihnen also keiner was vor. Aber Kompetenz haben sie auch in umgekehrter Richtung. Mit der Ein-Kind-Politik praktizieren sie bevölkerungspolitische Selbstbescheidung. Gerade mal um läppische 70 Millionen ist die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren gewachsen. Die mächtige kommunistische Partei wollte das so und hat dafür auch gute Gründe.

In ihrer allumfassenden Fürsorglichkeit wacht die Partei streng über alles, was dem Land zu- oder abträglich sein könnte. Und da entdeckte sie ausgerechnet im chinesischen Kernkompetenzbereich Fortpflanzung offenbar eine Lücke, die ihr bedenklich vorkam: Es geht um die Integrität von Samenspendern.

Bisher konnte sich praktisch jeder chinesische Mann auf einer Samenbank spendabel zeigen. Doch damit ist jetzt Schluss! Eine der größten Samenbanken Chinas – also wahrlich keine kleine Klitsche – hat nun festgelegt: Samenspender müssen "das sozialistische Mutterland lieben, die Führung der Kommunistischen Partei unterstützen, loyal gegenüber der Sache der Partei" sowie gesetzestreue Bürger sein, "die frei von politischen Problemen" sind. So steht es auf der Webseite des Dritten Pekinger Universitätskrankenhauses. Doch wie die politische Unbedenklichkeit der abgabewilligen Männer geprüft werden soll, wird nicht verraten.

Bemerkenswert dabei ist der überraschende Aspekt einer möglichen Vererbbarkeit politischer Haltungen. Müssen nun die genetischen Gesetze neu geschrieben werden? Das Gerücht jedenfalls, dass die Regierung eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben haben soll, ob eingefleischte kommunistische Überzeugungen zu einer rötlichen Einfärbung von Samenzellen führen können, hat sich als Fake-News entpuppt. Obwohl... zuzutrauen wäre es den Erfindern von Masturbationsautomaten ja schon – denn diese sind kein Witz.