UNTERM STRICH: Luftnummer am Boden

Willi Germund

Von Willi Germund

Do, 16. November 2017

Kolumnen (Sonstige)

Indische Beamte kämpfen gegen Smog – mit Fantasie, ohne Erfolg / Von Willi Germund.

Neu-Delhis Einwohner husten wie die Weltmeister: In Indiens Hauptstadt herrscht Smogalarm. Bei den Behörden rotiert deshalb die Ideenmaschine. Schließlich kamen sie auf eine vermeintlich vielversprechende Lösung – sie wollten dem Smog mit einer Hubschrauberflotte bekämpfen. In der Theorie klang alles bestechend logisch und einfach: Die Hubschrauber fliegen los und versprühen Wasser über der Stadt. Der Staub, der in Neu-Delhis Luft umherschwebt, wird nass – und fällt als Schlamm vom Himmel.

Die Praxis machte den Behörden aber einen Strich durch ihre Rechnung. Eigentlich waren es sogar mehrere Striche. Die erste Abfuhr holten sich die Behörden der geplagten Metropole bei einer staatlichen Chartergesellschaft, also gewissermaßen bei den eigenen Untergebenen: Die Anti-Smog-Hubschrauber, teilten die Experten mit, konnten wegen des Smogs nicht starten – der Nebel war schier undurchdringlich, die Sicht einfach zu schlecht. Fachleute hielten die Luftbefeuchtungsaktion ohnehin von Anfang an für reinen Humbug.

Von der eigenen Atemnot und der Sorge um die Gesundheit ihrer Lieben motiviert, hatten die Beamten in ihrem Eifer zudem ein Problem übersehen, das nichts mit der miesen Luft zu tun hat: Über weiten Teilen Neu-Delhis herrscht ein absolutes Flugverbot, um die Sicherheit von Parlament, Regierung und Ministerien nicht zu gefährden. Die Smogbekämpfung per Hubschrauber hätte sich also auf Gebiete beschränken müssen, in denen sich keine Politiker tummeln. Ausgleichende Gerechtigkeit, munkelt mancher, schließlich kennen Regierungsmitglieder und Politiker dank besonderer Leitungen auch keine Stromausfälle wie ihre normalen Mitbürger in Neu-Delhi.

Tatsache bleibt: Niemand weiß, wie der Smog auf die Schnelle zu bekämpfen ist. Die Beamten verfolgen die Idee mit den Hubschraubern weiter. Die Hindernisse, heißt es in den Amtsstuben, würden nun beiseitegeräumt. Denn auch in Indien will niemand als Luftikus gelten.