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09. Juli 2012

UNTERM STRICH: Merci, chérie...

Chorsingen in der Firma kann schön, aber auch tückisch sein / Von Michael Neubauer.

Zugegeben, das hier ist eigentlich nicht der Ort, um über die Kollegen im BZ-Nachrichtenraum zu lästern. Aber seit einer Stunde zittert das Bein des Kollegen unaufhörlich. Etwas weiter seufzt eine andere im Fünfminutentakt. Der Chef sagt zum dritten Mal, dass für die Montagsausgabe noch ein "Unterm-Strich" fehle. Alles Zeichen von STRESS!!!

Durchatmen. Das Wort "Stress" in die Suchmaske der Nachrichtenagentur eingeben. Antworten finden: "Singen gegen Stress und Unbehagen am Arbeitsplatz – in immer mehr französischen Unternehmen bilden sich Chöre."

Was die wohl singen? Charles Aznavours "Du lässt Dich gehen"? Ich will mich nicht lustig machen. Frankreich war schließlich aufgeschreckt wegen zahlreicher Suizide in einigen Großunternehmen wie Renault oder der France Télécom. Stress und Leistungsdruck galten mit als Gründe dafür. In Betriebschören sollen sich Kollegen nun anscheinend näher kommen und zugleich gegen den Stress ansingen. Beispiel Telefon- und Internetanbieter Orange: Die ersten Betriebschöre wurden vor zwei Jahren gegründet, heute singen schon tausend Beschäftigte von Orange in 21 solcher Chöre. So lange die Betriebschormusik nicht als Wartemelodie in die Firmentelefonanlage eingespeist wird, ist nichts dagegen zu sagen.

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Fast alle Branchen in Frankreich pflegten inzwischen das Firmensingen, selbst in kleinen und mittleren Unternehmen, sagt Bernard Lallement, Vorsitzender der Chorleiter-Vereinigung. Ein Chor könne helfen, die Beziehungen unter den Beschäftigten zu entspannen. Und Experten wissen: Musik kann auch die Leistungsfähigkeit der Belegschaft steigern.

Soso. Da schwant einem doch, dass die Angestellten sich sicher nur fitsingen sollen für nur noch mehr Schaffeschaffe. "Merci, merci, merci, für die Stunden des Beinzitterns und Seufzens, chérie, chérie", sang schon Udo Jürgens und wir jetzt mit. Betriebschorstress, den sollen sich mal ruhig die Franzosen machen.

Autor: mic


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