UNTERM STRICH: Pjöngjang-Zeit ist Geschichte

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Mi, 02. Mai 2018

Kolumnen (Sonstige)

Nordkorea passt seine Uhren wieder denen Südkoreas an / Von Angela Köhler.

Irgendwann dieser Tage muss es auch Kim Jong-un gedämmert haben, welcher abseitigen Idee er im Sommer vor drei Jahren aufgesessen war. 2015 hatte der junge nordkoreanische Diktator verfügt, dass mit Wirkung vom 15. August an die Uhren in seinem Land anders ticken sollen als zuvor. Aus Anlass des 70. Jahrestages der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg, die auch das Ende der 35-jährigen Fremdherrschaft in Korea bedeutete, ließ Kim die Uhren um 30 Minuten zurückdrehen. 

Damit wollte Pjöngjang die Vergangenheit korrigieren, denn die "boshaften japanischen Imperialisten verübten unverzeihliche Verbrechen wie etwa Korea sogar seine Standardzeit zu nehmen". So hieß es damals in einem Erlass, den die nordkoreanische Oberste Volksversammlung auf Dekret des Führers zum Gesetz erhob. Damit sollte eine der letzten Hinterlassenschaften der Kolonialperiode beendet werden, denn das Kaiserreich Japan hatte während seiner Herrschaft von 1910 bis 1945 die Tokyo-Standard-Time als verbindlich eingeführt. Kim Jong-un nahm bewusst in Kauf, dass er die politische Spaltung der koreanischen Halbinsel mit seiner Uhrenumstellung weiter vertiefte. Denn Südkorea blieb "aus praktischen Gründen" bei der alten Regelung.

Normalerweise hätte ein solch einseitiger Schritt allerlei Verwirrung zur Folge haben müssen, zum Beispiel bei Flugplänen.  Aber auch hier tickt Korea anders als der Rest der Welt. Es gibt bis heute nur wenige regelmäßige Flüge zwischen Pjöngjang und dem Ausland.

Der interkoreanische Panmunjom-Gipfel hat am vergangenen Freitag nun offenbar auch die Uhren neu gestellt. Pjöngjang ließ verlauten, dass Nordkorea seine separate Zeitzone verlassen und wieder zur gemeinsamen ostasiatischen Zeit (derzeit sieben Stunden vor MESZ) zurückkehren will.   Übrigens: Während Pjöngjang die Uhren umstellte, begann Südkorea damit, die Lautsprecheranlagen entlang der Grenze zur Propaganda-Beschallung des Nachbarn zu entfernen.