UNTERM STRICH: Sag’s durch die Blume

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 12. Oktober 2017

Kolumnen (Sonstige)

Was Künstler mit ihren Sträußen nach dem Konzert so anstellen / Von Alexander Dick.

Dass die Blume, zumal wenn sie in gebündelter oder gebundener Form auftritt, ein absolut wertvoller, nonverbaler Absichts- respektive Kommunikationsverstärker sein kann, gehört zu den uralten kulturübergreifenden Erkenntnissen. Ehemänner, die den Hochzeitstag vergessen haben, wissen, was es mit der Weisheit "Sag’s durch die Blume" auf sich hat. Worte erhöhen in solchen Fällen nur unnötig das Explosionspotenzial.

Auch im Klassikkonzertbetrieb gehören Blumensträuße zum guten Ton nach den (hoffentlich) guten Tönen. Wobei die Zeremonie des Überreichens ihre ganz ureigenen Gesetze hat. Niemals gleich bei der ersten Verbeugung, dem ersten Applaus. Nicht den Künstler von hinten überfallen. Der richtige Moment will genau abgepasst sein, die Überreicherin des Straußes (Rosenkavaliere sind eher selten) wartet dezent an einem Ort, von dem aus sie schnell zuschlagen kann, wenn Solistin oder Solist gerade wieder hinter die Bühne gehen will. Dann eilt sie ihm entgegen, das Ritual nimmt seinen Lauf. Die charmanten Routiniers des Konzertbetriebes bedanken sich mit Küsschen links, Küsschen rechts – Sexismus liegt dem Klassikbetrieb natürlich fern.

In letzter Zeit aber hat sich etwas eingebürgert, was zum Nachdenken Anlass gibt. Die solchermaßen mit Blumen Beschenkten männlichen Geschlechts nehmen den Strauß – und reichen ihn einfach weiter. Mit Vorliebe an eine Musikerin aus dem Orchester. Ein Akt der Höflichkeit? Was, wenn die Ehefrau aus dem eingangs erwähnten Beispiel ebenso verführe? Wobei da in der Regel keine Konzertmeisterin oder Soloklarinettistin mit im Raum sein dürfte... Nun aber mal ganz ernst: Was soll ein Solist auf Tournee mit einem Blumenstrauß anfangen? Ihn im Hotelzimmer lassen? Interessant bloß: Solistinnen behalten ihre Blumen in der Regel und nehmen sie mit hinter die Bühne. Was dort allerdings mit ihnen geschieht, wissen nur die Konzertveranstalter. Und die können die Sträuße vermutlich von der Steuer absetzen.