UNTERM STRICH: Schallplatten mit Nachspiel

Johannes Nitschmann

Von Johannes Nitschmann

Fr, 23. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Heino bringt mit Songs aus SS-Buch eine Heimatministerin in Not / Von Johannes Nitschmann.

Den feierlichen Moment ließen die PR-Strategen der nordrhein-westfälischen Landesregierung von einem professionellen Fotografen festhalten. Sänger Heino übergab NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) vergangenes Wochenende am Rande des ersten Heimatkongresses in Münster sein Doppelalbum "Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder". Das Foto der Präsentübergabe wurde schnell den Journalisten angeboten – samt Pressemitteilung des Ministeriums: "Heino war die Überraschung auf dem Heimatkongress."

Nun bringt der Überraschungsgast die Heimatministerin in politische Bedrängnis. Etliche Lieder der von Heino übergebenen Schallplatten sind im "Liederbuch der SS" enthalten (obgleich manche deutlich älter sind). Das Liederbuch, das die Nazis in den 30er-Jahren im Münchner Zentralverlag der NSDAP veröffentlichten, enthält etwa "Flamme empor" und "Wenn alle untreu werden". Der heute 79-jährige Barde hatte die belasteten Lieder 1981 auf einer LP aufgenommen, die im Handel nicht mehr erhältlich ist.

Nach öffentlicher Kritik geht die Ministerin nun plötzlich auf Distanz zum Überraschungsgast. Heino habe sich zum Heimatkongress "in Eigeninitiative" angemeldet, lässt die CDU-Politikerin nun verlauten. Tatsächlich war Heino wie alle anderen 46 Heimatbotschafter des Landes NRW, darunter Starkoch Nelson Müller und Ex-Schalke-Profi Gerald Asamoah, vom Ministerium förmlich und persönlich eingeladen worden. Bei dem Fototermin habe die Ministerin den Titel der von ihr lächelnd in die Kameras gehaltenen Doppel-Schallplatte "nicht zur Kenntnis genommen", sagte ein Sprecher Scharrenbachs. Immerhin hält es das Heimatministerium für angezeigt, noch eine E-Mail unter dem Betreff "SS-Lieder" mit einem Wikipedia-Eintrag hinterherzusenden. Dort wird der Heino-Song "Wenn alle untreu werden" der Widerstandsbewegung während der NS-Zeit zugeordnet. Die Landtagsopposition gibt sich damit nicht zufrieden – und verlangt Aufklärung.