UNTERM STRICH: Schifoan mit Wolferl

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 15. August 2018

Kolumnen (Sonstige)

Ein eiskalter Schlagabtausch – Österreichs Liedermacher und die FPÖ / Von Alexander Dick.

Wir hatten ja einige Zeit den Verdacht, die Österreicher seien dumpf geworden. Wetteiferten mit ihren bayerischen Nachbarn nur noch um die Deutungshoheit in Sachen Einwanderungsbegrenzung oder Autobahnmaut – apropos, war da nicht mal was? – und lehnten sich ansonsten bequem zurück beim Heurigen.

Und plötzlich diese neue Lebendigkeit in der Alpenrepublik: Künstler versus FPÖ. Nein, im Grunde war es anders herum. Die sich so nennenden Freiheitlichen schossen sich auf Wolfgang Ambros ein, nachdem der in einem Interview die Rechtslastigkeit der FPÖ kritisiert hatte. Zu viele "braunen Haufen" gebe es dort. Es passierte, was in solchen Fällen immer passiert: Die "braunen Haufen" mobilisierten ihre Hilfstruppen und setzten eine "Hasslawine", wie es die Wiener Zeitung Der Standard bezeichnete, in Gang: gegen Ambros und andere "linke" Liedermacher – im Netz und auf den Straßen, wo öffentlich Ambros-CDs verbrannt (!) wurden. Der Austropopper blieb bei seiner Haltung. Und fand plötzlich viele Unterstützer. Künstler wie der bekannte Schauspieler Erwin Steinhauer posteten im Netz: "Solidarität mit Wolferl Ambros!! ,Ich bin abgehalftert, aber bei Sinnen!‘" Und in ganz kurzer Zeit landeten die Ösis wieder auf den Brettln, die sie ja so gut beherrschen: "Schifoan", einer der großen Ambros-Hits aus den 1970ern, stürmte an die Spitze der österreichischen Charts – und das mitten im August: "Weil Schifoan is des leiwandste/ Wos mer si nur vurstoin ko".

Ja, echt leiwand. Was in Wien und Umgebung so viel meint wie großartig. Und die Ambros-Unterstützer bleiben auf der Piste. Am Dienstag meldete sich Hubert von Goisern zu Wort: Ambros entspreche so gar nicht "dem klassischen Feindbild der selbsternannten Heimatpartei. Er hat keinen Migrationshintergrund, er ist kein Steuerflüchtling, er geht weder regelmäßig in die Synagoge noch in eine Moschee". Aber dass der auf die "braunen Haufen" scheißt – pardon, das musste sein –, das will nicht in deren Schädel.