UNTERM STRICH: Schlicht und französisch

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Sa, 31. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Der Kellner Guillaume Rey klagt gegen "diskriminierende" Kündigung / Von Dominik Bloedner.

Wo kämen wir denn hin, wenn ein deutscher Maurer im Ausland wegen Pünktlichkeit Scherereien bekäme!? Oder, pardon, ein in Nordeuropa tätiger Südeuropäer wegen Unpünktlichkeit? So viel Klischee darf sein, schließlich schleppen Arbeitsmigranten stets ein Päckchen voller Vorurteile mit sich in die Ferne – und manche tun das sogar gerne. Etwa Guillaume Rey, der französische Kellner, der einige Jahre in einem Restaurant im kanadischen Vancouver gewirkt, gewütet hat.

Mildes Klima, frische Brise vom Pazifik, hippe junge Leute, in Umfragen zu Lebensqualität ist die Stadt stets ganz vorne dabei. Doch leider gibt es in dieser (Arbeits-)Welt auch Kunden und Kollegen. Womit die Probleme für Guillaume Rey begonnen haben. Mit der Kündigung von 2016 hat sich Anfang dieser Woche der Gerichtshof für Menschenrechte in Vancouver beschäftigen müssen. Ende offen.

Nein, sein Verhalten sei doch nicht grob, aggressiv oder respektlos gewesen, so wie es sein Arbeitgeber behaupte. Sein Verhalten sei, beteuert Guillaume Rey, schlicht und einfach französisch – wobei er die Betonung eher auf dem "französisch" und nicht auf dem "schlicht" sieht. Ihm sei auf diskriminierende Weise wegen seiner "direkten, ehrlichen und professionellen Persönlichkeit" gekündigt worden, die er während seiner Ausbildung im französischen Gastgewerbe entwickelt habe. An seinen Fähigkeiten als Kellner habe doch keiner Anstoß genommen. Dass es in der Gastronomie, nicht nur in Frankreich, nicht immer wie im Streichelzoo zugeht, weiß wohl auch die zuständige Richterin Devyn Cousineau. Dennoch müsse Monsieur Rey erklären, was genau an seinem französischen Erbe zu einem Verhalten führe, das Menschen als eine Verletzung der Standards am Arbeitsplatz interpretierten, verlangte sie.

Womit wir beim deutschen Maurer wären. Wenn dieser als Tourist nun pünktlich zum Rendezvous in einem Pariser Bistro erscheint, dann erwartet er keine höflichen Kellner, sondern, im Gegenteil, Arroganz. Steht ja in jedem Reiseführer.