Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
04. Februar 2012
UNTERM STRICH: Schwarzwälder im Gesicht
In Deutschland hat sich wieder ein Tortenanschlag ereignet / Von Michael Neubauer.
Es wird Zeit, an dieser Stelle den Konditoren ein Kompliment auszusprechen. Was wäre ein Wochenende ohne Torte? Eine Zeit ohne Sahne, ein Zeitraum ohne süßem Innehalten. Danke, liebe Tortenbäcker. Solange Torten in Mägen wandern, werden keine Kriege geführt.
Nun fliegen jedoch tagtäglich Dinge durch die Lüfte. Jüngst wieder eine Torte, was Tortenbäcker sicher schmerzt. Getortet, wie es im Fachjargon heißt, wurde Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er kennt sich aus mit Fluggeschossen, war er doch einst unser Verteidigungsminister. Dann kam die Plagiatsaffäre. Und heute ist er EU-Berater für Internetfragen. Was die Netzwelt-Szene zum Schießen findet.
Nichtsahnend, ohne Sicherheitsfuzzis an der Seite, saß Guttenberg mit einem Piraten-Politiker und Netzaktivisten zum Plausch in einem Café in Berlin-Friedrichshain, als er getortet wurde. Zu der Aktion bekannte sich die "Hedonistische Internationale". Diese Spaßguerilla-Truppe kündigte an: "Wir werden jeden weiteren Rückkehrversuch des Herren von und zu beobachten und süß torpedieren."
Guttenberg ist mit seiner Torte nicht allein. Blicken wir in die Tortenwurfgeschichte. Viele bekannte Gesichter hatten bereits eine: Nicolas Sarkozy. Günther Oettinger. Bill Gates. Jürgen Trittin. Der beliebte, erniedrigende Wurf des sahnigen Backwerks ist dem Slapstick-Film zu verdanken – Dick und Doof torteten ausgiebig. Tortenwürfe als politische Ausdrucksform wurden seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beliebt. Auch wenn derzeit der Schuhwurf in Mode kommt: Die Torte wird wegen ihrer geringen Verletzungsgefahr weiter gerne genommen.
Werbung
Eine Analyse der Tortenattentate zeigt, dass oft die Schwarzwälder Kirschtorte als Kampfmittel herhalten muss – so auch jetzt bei Guttenberg. In Berlin kann eine Schwarzwälder Kirsch natürlich nur ein schlechtes Plagiat sein. Guttenberg reagierte übrigens sahnig-cool: "Beim nächsten Mal dann gerne Käsesahne!" Doch bei alledem profitiert letztlich nur der Kampfmittelbeseitigungsdienst, die Reinigung.
Autor: mic
