UNTERM STRICH: Teures Schlückchen!

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Di, 19. Juni 2018

Kolumnen (Sonstige)

Wer zahlt denn spektakuläre Preise für Weine, die er gar nicht trinkt!? / Von Dominik Bloedner.

Was der Winzer Henri Jayer aus dem Burgund, jener hügelig-hübschen Landschaft mitten in Frankreich, zum Treiben seiner beiden Töchter Lydie und Dominique gesagt hätte, darüber kann man nur spekulieren. Ob sich der "König des Pinot Noir" mit der Pepita-Schirmmütze ob der spektakulären Preise im Grab, in dem er seit zwölf Jahren friedlich schlummert, ärgerlich herumgedreht hätte oder ob er sich, obschon bereits dort unten, totgelacht hätte – man ahnt es nicht.

Am Sonntag jedenfalls sind bei einer Auktion in Genf 1064 Flaschen der Jahrgänge 1970 bis 2001, darunter 855 Standardflaschen und 209 Magnumflaschen, aus seinem Weinkeller für insgesamt 30 Millionen Euro unter den Hammer gekommen, schlappe 28 000 Euro pro Exemplar. Pinot Noir, das muss man wissen, gilt als der Rolls-Royce unter den Rebsorten, im Anbaugebiet Baden ebenfalls wohl gelitten unter dem Namen Spätburgunder. Ein samtig-vollmundiger Tropfen, fruchtig und komplex im Aroma, gut lagerfähig und von einer wunderbaren rubinroten Farbe. Ein anspruchsvoller Tropfen, so wie diejenigen, die ihn genießen.

Das wünschen sich zumindest die beiden Töchter von Henri Jayer, die, weil sie nicht alles selbst trinken können, die Flaschen feilgeboten haben. "Wir hoffen, dass diese Weine zu Kennern gelangen, die wissen, wie man solche Weine trinkt", haben sie geschrieben. Und weiter: "Wein steht für Gemeinschaft, und diese Weine sind vor allem dazu da, getrunken und genossen zu werden."

Ein frommer Wunsch? Das steht zu befürchten. Das Auktionshaus sprach lediglich von wohlhabenden Sammlern aus Asien, Amerika und Europa, die immer wieder auf derartigen Versteigerungen hohe Gebote abgäben – und die, so vermuten wir, die Garage wohl schon voller Rolls-Royce haben, im Weinkeller aber noch ein Plätzchen frei. Und mit was die Wein-Spekulanten wohl angestoßen haben nach dem Deal? Wohl mit Champagner – was in diesem Fall ziemlich vulgär wäre, aber dann doch bezeichnend.