UNTERM STRICH: Über Korruption nicht spotten!

Willi Germund

Von Willi Germund

Mo, 14. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Ein Filmchen über Schmiergeld bringt zwei junge Leute vors Gericht / Von Willi Germund.

Sri Lankas Polizisten zählen zu den korruptesten der Welt. Doch man sollte sich hüten, sich deswegen über sie lustig zu machen. Das wissen jetzt zwei junge Männer, die in dem Inselstaat im Indischen Ozean jüngst wegen "Demütigung" und "Rufschädigung" hinter Gittern gelandet sind. Ihr Vergehen: Sie hatten ein Video verbreitet, in dem sie vergeblich versuchen, einem Pappkameraden in Polizeiuniform Schmiergeld unterzuschieben.

Das war keine üble Nachrede, sondern nur die Darstellung einer landesüblichen Sitte: Wer von der Polizei wegen eines wirklichen oder vermeintlichen Verkehrsvergehens gestoppt wird, zahlt unverzüglich in die private Tasche des Beamten. Besonders vor Feiertagen und am Monatsende werden Verkehrsvergehen von der Polizei mit besonderer Strenge geahndet – gleichsam zur Aufbesserung der eigenen Zahlungsfähigkeit. Diese Form der Korruption ist auch deshalb so erfolgreich, weil der Gesetzgeber das Bezahlen von Strafen höchst kompliziert ausgestaltet hat. Und auch für die Bürger ist die direkte Bezahlung der einfachere und bequemere Weg – statt umständlich erst ein Gerichtsverfahren zu durchlaufen: Schmiergeld tut offensichtlich nicht so weh wie eine Geldstrafe.

Die Organisation Transparency International, die die Korruption in aller Welt bekämpft, mahnt in ihren Berichten mit erhobenem Zeigefinger: "Sri Lankas Polizei gehört zu den korruptesten der Welt" – was etwas heißt angesichts der internationalen Verbreitung der Korruption: Gerade Verkehrspolizisten zeichnen sich nahezu überall durch großen Erfindungsreichtum aus, wenn es darum geht, ihr Einkommen zu mehren.

Die beiden Missetäter in Sri Lanka durften zwar vorerst auf Kaution wieder nach Hause, weil ein Richter ein Einsehen mit ihnen hatte. Dennoch müssen sie im Prozess mit einer deutlichen Geldstrafe rechnen. Es sei denn, die Justiz käme zu dem Schluss: Der Videoclip war Satire. Aber Richter kennen ja auch die Wirklichkeit.