UNTERM STRICH: Von Verbrechern und Vögeln

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Do, 22. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Wer Krimiserien guckt, wird deswegen kein guter Gangster / Von Sebastian Krüger.

Der Star ist der Star unter den Vögeln. Kein anderer Piepmatz versteht es so gut wie er, Kiebitze, Wachteln oder Handyklingeltöne nachzuahmen. Er kann sogar samplen, also mehrere Töne unterschiedlicher Vogelarten in seinen eigenen Gesang einfließen lassen. Warum er das macht, ist nicht geklärt. Will er sein Revier markieren, indem er sich mit Hilfe gecoverter Songs als eine größere und somit gefährlichere Art ausgibt? Oder imitiert er den Balzgesang eines paarungswilligen Vogels – nur um anschließend den Gefoppten aus sicherer Entfernung mit Hohn zu übergießen?

Während Tiere im Gegensatz zu Menschen wohl kaum so etwas wie Schadenfreude empfinden, kennen Menschen genau wie Tiere die Verlockung, Erfolgversprechendes zu kopieren.

Allerdings klappt das nicht immer. Forscher der Universität Mainz haben jetzt herausgefunden, dass der bloße Konsum von Fernsehkrimiserien niemanden dazu befähigt, sich dann auch als Täter schlau zu verhalten. Das Forscherteam ließ Probanden gefakte Tatorte säubern und Verbrechen mit Hilfe eines Puppenhauses nachspielen.

Das Ergebnis: Konsumenten von Krimiserien gingen nicht geschickter vor als ihre TV-kriminologisch ungeschulten Kollegen, wenn es darum ging, mögliche Beweise zu vernichten und Spuren zu verwischen. Wer also meint, das perfekte Verbrechen begehen zu können, nur weil er keine Folge von "CSI – den Tätern auf der Spur" verpasst hat, der irrt.

Diese Erfahrung machte auch ein hessisches Paar, das sich, angeregt durch Horrorfilme und Krimiserien, entschloss, ein Serienkillerpaar zu werden. Es scheiterte aber schon bald: Nach seinem ersten Mord im März 2017 wurde es verhaftet. Auch jene beiden Brüder, die bis zu ihrer Festnahme 18 Postbanken in Berlin überfielen, hatten sich nach eigenen Angaben von Fernsehkrimis inspirieren lassen.

Hätten sie doch nur geahnt, was die Wissenschaftler aus Mainz kurz darauf herausfinden würden.