UNTERM STRICH: Vorsicht an der Bahnsteigkante

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Mo, 28. November 2016

Kolumnen (Sonstige)

Wie beim Bau in Hallenbädern und auf Bahnhöfen gepfuscht wird / Von Bernhard Honnigfort.

Wer nicht in Hude wohnt oder demnächst vorhat, dorthin zu fahren, um im dortigen Hallenbad vom Drei-Meter-Brett zu springen, der kann sich das Durchlesen der folgenden Zeilen schenken. Für alle anderen gilt: Kopf einziehen, wenn sie nach angeberischem Wippen mit Karacho vom Brett ins Wasser springen wollen. Womit wir beim Kern der Sache wären: dem Murks oder Pfusch. Murks und Pfusch sind bekanntlich Zwillingsbrüder, von denen sich der eine Bruder (Murks) gerne an Elektrogeräten oder Autos zu schaffen macht. Sein Bruder Pfusch treibt sich lieber auf Baustellen herum.

Wie der im Schwimmbad von Hude, das in Niedersachsen liegt. Dort hat man kürzlich für zweieinhalb Millionen Euro umgebaut und das Dach reparieren müssen. Dann war es fertig und man merkte: Es hängt zu tief. Beim kraftvollen Sprung vom Turm knallt der Springer an die Decke. Nun muss ein Bademeister aufpassen, dass niemand springt. Oder, wenn doch, dass er nicht wippt. Irgendwann soll ein neuer Turm ohne federndes Brett her. Die reine Wahrheit.

Man könnte sagen: Geht doch noch. Bruder Pfusch hat ganz andere Gesellen- und Meisterstücke abgeliefert. Der Berliner Großflughafen sei hier ausdrücklich nicht erwähnt, dafür aber der Bahnhof von Bad Bentheim, einer schönen kleinen Stadt an der holländischen Grenze. Im Sommer wurde dort der Bahnsteig um 38 Zentimeter angehoben, damit Rollstuhlfahrer besser zurechtkommen. Plötzlich tauchte Bruder Pfusch auf, und am Ende war der Bahnsteig zwar 38 Zentimeter höher, aber die Türen des Bahnhofsgebäudes ließen sich nicht mehr öffnen. Fahrgäste mussten eine Zeitlang durch ein Fenster klettern. Die Gleise gehören der Bahn, das Häuschen der Stadt. Ende 2017 will man sich nun auf gleicher Höhe begegnen. "Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird", befand der Bürgermeister von Bad Bentheim, der übrigens Volker Pannen heißt, genau wie ein Vetter der Brüder Pfusch und Murks. Auch die reine Wahrheit.