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03. Juli 2012

UNTERM STRICH: Was Bouffier an Buffon schätzt

Müssen Fußballer mitreißende Sänger sein? / Von Claus Zimmermann.

Töppi weiß vieles besser als andere – und meist vor den anderen (sagt er über sich). Der frühere ZDF-Bundesliga-Reporter Rolf Töpperwien hat im nach europameisterlichen TV-Talk bei Markus Lanz auch zu wissen vorgegeben, warum Deutschlands Fußballer im Halbfinale gegen Italien verloren haben. Weil Käpt’n Lahm und seine Nebenleute nämlich sträflich wenig Energie darauf ver(sch)wendet haben, die Nationalhymne leidenschaftlich vorzutragen. Und flugs hat Töpperwien mit seinen Argumenten bei Profi-Patrioten offene Türen eingerannt. Schließlich geht’s um ein Thema von nationaler Bedeutung. Die deutschen Dribbler sind den Landsleuten von Caruso und Pavarotti im EM-Halbfinale demzufolge deshalb nicht beigekommen, weil Torwart Buffon und seine Mitspieler ihre nationales Liedgut mit größter Inbrunst gesungen haben: Darin sind nun laut Bild unter anderem der hessische Landesvater Bouffier, der bayrische Innenminister Herrmann und der bayrische Kaiser Beckenbauer mit Töpperwien einig. Die deutsche Multikulti-Elf habe hingegen schon vor dem Anpfiff auf verlorenem Posten gestanden – so die These –, weil sie von Fallerslebens Hymne, wenn überhaupt, dann mit einem an Null grenzenden Pathos intoniert hat.

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Vielleicht, weil der Text die Musik macht: "Wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen!" Starker Tobak, der den Azzurri vor einer Fußball-"Schlacht" von den Lippen geht. Da sind "Einigkeit und Recht und Freiheit" und "des Glückes Unterpfand" vergleichsweise gemütliche Begriffe.

Aber von der Logik her hätten dann doch die Italiener Europameister werden müssen! Weil sie im Finale gegen Spanier sangen, die beim besten Willen nicht singen konnten – weil der "königliche Marsch" nun mal keinen Text hat . . .

Unterm Strich bleibt eben doch die Erkenntnis: Fußballspiele können mittels einer ganzen Reihe von Körperteilen entschieden werden – aber immer noch nicht mit dem Mund. Auch mit einer großen Klappe nicht . . .

Autor: cz