UNTERM STRICH: Weil Schwaben keine Schotten sind

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Fr, 08. Februar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Der Whisky-Streit ist entschieden – vorerst / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Schwaben können manchmal echte Schlaules sein. Sie tun zum Beispiel so, als ob sie das Auto erfunden hätten. Oder als ob der Bodensee ihr "Schwäbisches Meer" sei. Oder sie erklären den Berlinern, wie Berlin tickt. Usw. Am besten, man lässt sie gewähren. Wir sind ja froh, dass es sie gibt. So haben wir Badener halt was zu frotzeln und die Schwaben nehmen’s meist folkloristisch locker.

So geht es zwischen Schwaben und Badenern schon lange. Doch die Schotten, die sind von einem ganz anderem Kaliber. Die schwäbische Waldhornbrennerei Klotz aus Berglen bei Stuttgart hat sich nun mit ihnen angelegt und ist tief ins schottische Whisky-Revier eingedrungen, indem sie ihren eigenen Hochprozentigen großspurig und voll provokant "Glen Buchenbach. Swabian Single Malt Whisky" nannte. "Glen Buchenbach"! Das klingt irgendwie wie "Schwäbische Kirschtorte": Man merkt sofort, dass was nicht stimmt. Das fanden die Schotten auch – und klagten wegen übergriffigem Namensklau. "Glen", sagen sie, gibt’s nur in Schottland. Das Wort stamme aus dem Gälischen und bedeute "kleines Tal" oder "Bergschlucht". Wären die Schwaben also korrekt vorgegangen, müsste ihr Whisky "Täle Buchenbach" oder "Bergschlüchtle Buchenbach" heißen. Aber welcher Single-Malt-Liebhaber würde seinen Sinnen sowas zumuten?

Die Schotten bekamen nun vor dem Landgericht Hamburg Recht. Die Rechtssache C44/17 währt schon lange, die Akte ist mittlerweile 5000 Seiten dick. Der gehaltvolle Stoff war sogar schon beim Europäischen Gerichtshof, von wo er an ein deutsches Gericht zurücküberwiesen wurde. Einen Monat haben die Schwaben nun Zeit, beim Hanseatischen Oberlandesgericht in Revision zu gehen. Ob sich das Waldhornbrennereile wirklich traut, noch einmal gegen die Bravehearts der Scotch Whisky Association anzutreten? Nun, damit hätten sie zumindest ein Alleinstellungsmerkmal und sich insofern das "Single" in ihrer Getränke-Bezeichnung (beinahe) redlich verdient.