UNTERM STRICH: Wundersame Befleckung

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Von fes

Di, 02. Januar 2018

Kolumnen (Sonstige)

US-Forscher lüften das Geheimnis des Latte macchiato / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Madonna macchiata! Der Italiener hat’s einfach drauf. Wir sprechen jetzt nicht von Dolce Vita und Ferrari, Pizza und Prada, Spaghetti und Western und so. No no, unsere Aufmerksamkeit gilt großen italienischen Nationalflüssigkeiten wie Caffè, Espresso, Cappuccino und – was immer wieder aufs neue fasziniert: Latte macchiato. Zu deutsch: befleckte Milch.

Wissenschaftler in den USA, im renommierten Princeton, haben sich daran gemacht, die Schönheit und Grandezza des Latte macchiato zu ergründen. Zu erfahren, was da physikalisch alles passen und passieren muss, damit sich im Glas diese wundersamen Schichten von Hell nach Dunkel bilden. Weil das so aufregend ist, geben wir hier einige kleine Einblicke in wahrlich große Erkenntnisse. So erläutert der garantiert nicht italienischstämmige (und deshalb garantiert unvoreingenommene) US-Forscher Nan Xue in Nature Communications: "In Flüssigkeiten entsteht eine Vielzahl räumlicher Muster vorwiegend durch thermische Effekte."

Klar. Wenn heißer Espresso auf warme Latte trifft, geht natürlich was ab. Was dann im Glas so passiert, ist molto interessante: "Dadurch kommt eine kreisförmige Umwälzbewegung in Gang, eine sogenannte Konvektion. (...) Es entstehen unterschiedliche Konvektionszonen, in denen die Konzentration des Espressos von oben nach unten abnimmt." Capito?

Und was völlig irre ist: Im Latte Macchiato geht’s praktisch zu wie im Ozean, sagen die US-Forscher: "Da die Bewegung durch zwei Faktoren, nämlich Temperatur- und Konzentrationsgefälle, angetrieben wird, spricht man von doppeldiffusiver Konvektion. Interessanterweise tritt derselbe Effekt auch im Ozean auf – zum Beispiel an der Grenze von Eisbergen." Mamma mia!

Grazie, ihr US-Forscher, dass wir endlich wissen, warum der Latte macchiato so bello aussieht und so bene schmeckt. Und wir verneigen uns vor dem Barista, der das mit der Temperatur, der Eingießgeschwindigkeit und der doppeldiffusiven Konvektion einfach drauf hat.