UNTERM STRICH: Zwei linke Füße

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Do, 10. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Australiens Premierminister erlebt ein Photoshop-Desaster / Von Michael Saurer.

Für Kosmetik-Hersteller müssen das harte Zeiten sein. Verbrachten die Damen früher vor wichtigen Fototerminen noch Stunden vor dem Spiegel, um das richtige Make-up, den passenden Lidstrich und Wimperntusche aufzutragen, scheinen derlei Überlegungen immer unwichtiger zu werden. Dank Photoshop. Falten, überflüssige Pfunde, Hautunreinheiten – ein Klick mit der Maus und sofort sieht man aus wie mit Anfang 20. Natürlich nur auf dem Foto. Aber in Zeiten von Instagram und Selfie-Wahn scheint die mediale Projektion seiner selbst ohnehin wichtiger zu sein als das reale Ich.

Doch natürlich wäre es falsch, wenn man derlei elektronische Tricksereien mit dem digitalen Ebenbild nur den Frauen unterstellen würde. Auch Männer sind eitel, lassen sich die Taille verkleinern, die Oberarme vergrößern und das Sixpack am Computer aufpumpen. Und manchmal geht das gehörig schief.

So wie im Falle von Australiens Premierminister Scott Morrison. Da wollte der erst seit August amtierende Regierungschef auf seinem offiziellen Weihnachts- und Neujahrsfoto betont leger daherkommen und hatte sich statt schwarzem Anzug ein Karohemd, eine helle Jeans und ausgelatschte Turnschuhe angezogen. Nun waren die seinem Stab aber wohl etwas zu ausgelatscht. Flugs googelten die Mitarbeiter nach strahlenden weißen Sneakers und montierten diese ins Bild. Dumm war dabei nur, dass sie dabei nicht auf die anatomischen Feinheiten des menschlichen Körperbaus achteten. Etwa die Unterschiede zwischen rechtem und linkem Fuß. Und so kam es zu einem Photoshop-Desaster, das in Australien nun unter dem Kampfbegriff "Shoe-Gate" firmiert: Im Eifer des Gefechts montierten sie Morrison zwei linke Füße ins Bild.

Der nahm die Panne aber mit Humor, postete ein Foto seiner echten Treter und schob noch einen nach: Wenn seine Mitarbeiter schon tricksen müssten, dann doch eher an seinen Haaren. Dort gäbe es einige lichte Stellen, die man elektronisch auffüllen könnte.