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06. März 2010

Frühlingsgefühle

URTEILSPLATZ: Jetzt heißt’s abwarten

Früher, als die Welt noch in Ordnung war, gab es fest gefügte Ereignisse im Jahresablauf, die dem Leben eine Struktur gaben. Den Frühling (also den gefühlten, nicht den kalendarischen) hat man einst daran erkannt, dass ein verwegener Café-Besitzer die ersten Tische vor die Tür gestellt hat. Dann saß man in der Sonne und hat einsehen müssen, dass ein blauer Himmel noch nichts über die Wohlfühl-Temperatur aussagt und dass ein Kaffee, der innerhalb weniger Minuten eiskalt ist, nicht wirklich schmeckt. Frühling war’s trotzdem. Heutzutage irren wir durchs Jahr wie die Walfische, denen laute Schiffsmotoren die Orientierung durcheinander bringen. Manche haben das ganze Jahr über ihre Terrassen betischt und bestuhlt, weshalb die Exklusivität von Frühlingsritualen arg nachgelassen hat. Eine Erinnerung an die alte Ordnung gab’s in dieser Woche schon mal. Kaiserwetter und knapp zweistellige Temperaturen – das nutzten nicht nur die All-Jahres-Draußen-Raucher für einen Plausch unter freiem Himmel. Auch die Eisdielen machten schon mal guten Umsatz. Zwei, drei Tage ist das nun her. Eine halbe Ewigkeit. Inzwischen haben wir die Winterklamotten doch wieder ausgepackt. Frühling ade! Vielleicht wird’s ja nächste Woche was.

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Autor: Franz Matussek