Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
10. März 2010
In der Herberge
URTEILSPLATZ: Logieren ohne Luxus
Für diejenigen unter uns, die auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten können – auf die Minibar und die Bibel in der Nachttisch-Schublade zum Beispiel – bietet es sich an, in einer Jugendherberge zu logieren. Dies umso mehr, als angehende Senioren heutzutage in Beherbergungs-Betrieben dieser Art gern gesehene Gäste sind. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Herberge ist eine bezahlbare Alternative zum Hotel. Da nimmt man es dann auch gerne mal in Kauf, dass der Gang zur Toilette über den Hausgang führt und man beim Duschen nicht unbedingt für sich alleine ist. Macht auch nichts, wenn man beim Frühstücks-Büfett aus nahe liegenden Gründen auf Lachs und Leberpastete verzichten muss. Dafür stößt man auf viele interessante Menschen mit außergewöhnlichen Freizeit-Gewohnheiten. Auf jene Gruppe von schwäbischen Vogelfreunden zum Beispiel, die freudig erregt von ihrer Exkursion in den nahen Nationalpark zurückkehrt. Dort ist sie auf die ersten gefiederten Frühlingsboten gestoßen, auf Störche und Kraniche. Viel Freude kommt auch beim Lach-Club aus Wanne-Eickel auf, dessen Mitglieder in der Abgeschiedenheit der Herberge neue Lachtherapien ausprobieren wollen. Und dann ist da noch diese Trommelgruppe aus der Lüneburger Heide. Sie ist angereist, um ein Wochenende lang mit viel Enthusiasmus auf die Pauke zu hauen: Samba-Rhythmen sind angesagt. Den ganzen Tag. Das bleibt nicht ohne Folgen: Am Spätnachmittag sind die Ornithologen unplanmäßig ausgeflogen und der Lach-Club hat seinen Vereinszweck völlig aus den Augen verloren.
Werbung
Autor: Klaus Schweizer
