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17. März 2017

Unterm Strich

Von der Asche in die Flasche?

In einer fränkischen Gemeinde wird bald im Weinberg bestattet / Von Felix Lieschke.

Weine und Menschen haben einiges gemeinsam: Beide müssen lange genug reifen, um wirklich gut zu werden. Sie brauchen Ruhe, sie müssen sich immer mal wieder entspannen können. Wenn der eine dann reif genug ist, kann der andere ausgiebig über ihn philosophieren. Über den Duft nach Johannisbeeren. Über das Holz, das jeder immer als Erstes riecht (nebenbei bemerkt: Es riecht nach Vanille). Über die schöne Farbe, die violetten Reflexe und die Schlieren, die er am Glas zieht. Kenner schauen, schwenken, riechen, schmecken. Der Weinberg als Sehnsuchtsort. Wenn alles richtig gemacht wurde und die Reben ein entspanntes Jahr hatten, riecht der Wein am Ende auch nicht nach Mottenkugeln. Er kann über Jahre im Regal liegen und wird nur besser.

In der kleinen fränkischen Gemeinde Nordheim am Main soll jetzt die perfekte Symbiose aus Mensch und Wein entstehen. Dazu wird der Friedhof einfach um den angrenzenden Weinberg erweitert und umbenannt: Friedweinberg. In einer biologisch abbaubaren Urne kann sich dort vielleicht schon ab nächstem Jahr ein jeder bestatten lassen. Direkt unter der Weinrebe. Hoffnung, dass aus einem mit der Zeit ein Jahrhundertwein wird, braucht jetzt trotzdem niemand zu haben. Der Bürgermeister hat schon klargestellt: "Von der Asche in die Flasche" – das wird es nicht geben. Da spielt das Landratsamt nicht mit, die deutsche Friedhofsordnung auch nicht.

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Dabei ist der Gedanke doch eigentlich ganz nett. In Deutschland ist es zwar verboten, die Asche seiner Angehörigen im eigenen Wohnzimmer auszustellen, schließlich gibt es eine Bestattungspflicht. Von der Asche über Umwege ist da aber nicht die Rede. Warum nicht etwas Neues wachsen lassen, keltern und zu Hause lagern? Muss ja nicht getrunken werden. Die Wiedergeburt als Wein. Bei einer Sache müssen die Betreiber des Friedweinbergs aber aufpassen, Winzer beschweren sich jedes Jahr darüber: Genascht wird immer.

Autor: fxl