Kommentar

Von nun an heißt es: Oben mit

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mo, 12. März 2018 um 22:00 Uhr

Kolumnen (Sonstige)

Die Bild-Zeitung verabschiedet sich von Nacktfotos junger Frauen. Allerdings nicht so ganz, eine Hintertür bleibt offen: Nur eigene Bilder will das Blatt nicht mehr schießen. Zeit für einen Nachruf.

Seit Anfang dieser Woche ist alles nicht mehr so, wie es einmal war, die Betroffenen sprechen gar von einer neuen Ära und raten dem mehr oder weniger einfach gestrickten Mann, er müsse jetzt "stark" sein. Dem Rest der Menschheit wird mitgeteilt, dass Frauen wie eine gewisse Carolin Pauli, die aus Hörselgau in der Nähe von Erfurt stammt, Empfangsdame eines Autohauses ist und das "Girl des Jahres 2017" war, künftig nur noch Oben- mit-Irgendwas zu sehen sein werden. "Keine eigenen Oben-ohne-Produktionen mehr", lässt "Bild" verlauten.

Bereits vor sechs Jahren war der mehr oder weniger einfach gestrickte Mann schon "stark", da verschwand nämlich die Halbnackte, die Jahrzehntelang "Mieze" hieß, von der Seite eins ins Blattinnere. Einmal, die älteren unter jenen Männern erinnern sich, war die "Mieze" gar nicht zu Hause, stattdessen war an ihrer Stelle das neue Porsche-Modell zu sehen – was wohl denselben Reizeffekt hatte.

Selbst wir von der Badischen Zeitung haben es einmal – sex sells – mit Nacktheit auf der Seite eins versucht. Hat nicht funktioniert, es gab, da damals noch keine Shit-Storms tobten, einen Sturm der Entrüstung. Dabei wollten wir nur mit einer Rubens-Figur auf eine Kunstausstellung hinweisen. Wir haben gelernt.

Anscheinend auch die Kollegen vom Boulevard. Sie schreiben: "Unser Gefühl in den letzten Monaten war zunehmend, dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen". Nanu? Warum jetzt? Sexismus in Medien und insbesondere die "Bild" wurden doch lange vor #Meetoo kritisiert. Das Blatt sagt aber auch, dass es das "Bild-Girl" weiter gebe, dass erotische Kunst und Fotografie eine große Errungenschaft freier Gesellschaften sei und dass man nach wie vor Nacktfotos von Promis wie Kati Witt zeige, "über die das Land spricht". Einige männliche Leser werden nun stark erleichtert sein – auch wenn Hörselgau in Thüringen nicht mehr nackt ins Blatt kommt.