Unterm Strich

Was passiert, wenn man seinem Navigationssystem zu sehr vertraut

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Fr, 29. Juni 2018

Kolumnen (Sonstige)

Besser mal an Autoritäten zweifeln

Dass Menschen sich gerne von Autoritäten beeindrucken lassen, ist bekannt. Dass diese oft gehörigen Unsinn verkünden, tut dem keinen Abbruch. Wenn beispielsweise US-Präsident Donald Trump morgen twittern würde, dass Himbeereis die Neigung zu terroristischen Anschlägen fördere und deshalb verboten gehöre, würden zahlreiche Menschen ihre Wahl an der Eisdiele noch einmal überdenken.

Es ist halt bequem, wenn man sein Hirn ausschalten, sich in gemütlich in einen Plüschsessel lümmeln und das Denken anderen überlassen kann. Dass eine solche Einstellung in der Geschichte der Menschheit schon fatale Konsequenzen hatte, scheint vernachlässigbar zu sein.

Nun müssen die Menschen, denen man sich so gerne unterordnet, nicht einmal eine durch ausgiebigen Whisky- und Zigarettenkonsum geprägte Stimme eines Robert de Niro haben. Selbst monotone Anweisungen werden umgesetzt, wie man seit dem Milgram-Experiment in den 60er Jahren weiß. Ein Professor gab damals seinen Probanden den Befehl, anderen Versuchspersonen Stromschläge zu verpassen. Gut, dass diese nur Schauspieler und die Stromstöße nicht echt waren – denn die Probanden drückten ohne Gewissensbisse auf den Schalter.

Offenbar scheint aber selbst eine computergenerierte Stimme den gesunden Menschenverstand bisweilen einzuschränken. Stichwort Navigationssysteme. Erst am Donnerstag hat eine Frau ziemlich dümmlich auf ihr Gerät vertraut. Sie ist bei Mühlhausen im Rhein-Neckar-Kreis auf die falsche Autobahn gefahren, woraufhin ihr Navi riet, baldmöglichst zu wenden. Das nahm sie wörtlich und drehte ihr Auto postwendend um – was auf der Autobahn keine gute Idee ist. Als ihr dann plötzlich ein Lkw entgegenkam, zog sie scharf nach links und krachte in einen Zaun. Verletzt wurde sie nicht. Aber hoffentlich wird sie sich künftig an Goethe halten. Der sagte zum Thema Autorität einmal: "Ohne sie kann der Mensch nicht existieren, und doch bringt sie ebensoviel Irrtum als Wahrheit mit sich."