Mit Gewinn leben

Wenn ältere Menschen an der Haustür überrumpelt werden

Dunja Richter-Britsch

Von Dunja Richter-Britsch

Sa, 10. Februar 2018 um 00:00 Uhr

Geld & Finanzen

Fahrende Handwerker haben es häufig auf ältere Menschen abgesehen. Regelmäßig gibt es Beschwerden von Betroffenen, die an der Haustür überrumpelt wurden. Doch Verbraucher können sich wehren.

Auch Frau H. wurde von fahrenden Vertretern eines Handwerksbetriebs zu einer Reinigung und Versiegelung ihres Daches überredet. Die Kosten: fast 4000 Euro. Sie unterschreibt den Vertrag und vereinbart einen späteren Termin für die Arbeiten.

Wenig später bereut die Rentnerin ihre Entscheidung und widerruft den Vertrag mit Hilfe ihrer Schwiegertochter. Die Firma reagiert prompt und lehnt den Widerruf ab, weil er nach Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist erfolgt sei. Frau H.s Schwiegertochter wendet sich daraufhin an die Verbraucherzentrale.

Diese prüft den Vertrag und stellt fest, dass die Widerrufsbelehrung, die H. erhalten hatte, nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Dadurch verlängert sich die Widerrufsfrist auf ein Jahr und 14 Tage, H. hätte damit also fristgerecht widerrufen.

Der Handwerksbetrieb bleibt jedoch weiter uneinsichtig und verlangt von der Rentnerin immerhin noch ein Drittel des vereinbarten Lohns, wenn diese vom Vertrag zurücktreten will. Die Verbraucherzentrale mahnt den Betrieb ab.

Da dieser keine Unterlassungserklärung abgibt, geht der Fall vor Gericht. Dieses teilt die Ansicht der Verbraucherzentrale und bestätigt, dass die Widerrufsbelehrung und damit auch die Ablehnung des Widerrufs rechtswidrig sind.

Dunja Richter-Britsch ist Juristin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
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