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17. Juli 2017

Diskussion mit engagierten Leserinnen und Lesern

WIR MÜSSEN REDEN: Die Zeitung als Medium der Integration

Respekt. An einem normalen Werktagmorgen kamen diese Woche rund 70 Frauen und Männer in Lörrach zusammen, um mit mir über die Medienentwicklung im Allgemeinen und die der Badischen Zeitung im Besonderen zu diskutieren. Eingeladen hatte der ehemalige Redaktionsleiter Horst Donner. Seinen Medientreff gibt es schon seit fünf Jahren. Einmal im Monat treffen sich dort Bürgerinnen und Bürger, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Nicht immer kommen so viele wie dieses Mal. Aber alle sind sehr engagiert, nicht nur beim Lesen, sondern auch mit kritischen, lobenden und anregenden Gedanken.

Im Fokus der gut zweistündigen Diskussion standen natürlich die Veränderungen der Medien und der Mediennutzung. Hat die gedruckte Zeitung eine Zukunft, wie schaffen es die Zeitungen, Onlineleser zu überzeugen, dass guter Journalismus Geld kostet? Und was ist gute journalistische Qualität? Gutes Handwerk war die Antwort, Relevantes herausfiltern aus dem digital angeschwollenen Nachrichtenstrom, kritische, saubere Recherche und Überprüfung der Quellen, Fakten, Hintergründe, Analysen, Einordnungen und die Trennung von Nachricht und Kommentar. Und natürlich vor allem der Schwerpunkt auf lokale und regionale Informationen.

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Dass hier die Erwartungen auseinandergehen, verdeutlicht den Spagat, den Medien heutzutage machen müssen. Hier diejenigen, die klassisch informiert werden wollen, bis hin zu den kleinsten lokalen Informationen. Dort die anderen, die von ihrer Zeitung Hintergründe, Analysen, Zusammenhänge erwarten und sich die kleinteiligen Informationen entweder im Internet oder anderen Informationsquellen suchen. Die Zeitung muss das Zweite tun, ohne die anderen Leserinnen und Leser zu verprellen. Und sie muss darüber hinaus auch überzeugende Angebote online, mobil und in den sozialen Netzwerken anbieten. Die Badische Zeitung sollte erste Adresse für alle sein, die sich in und über Südbaden informieren wollen. Dass im Buhlen um Leserinnen und Leser heute manche Überschriften überspitzt würden, wurde kritisiert. Dass dies auch immer wieder redaktionsintern diskutiert wird und man sich jeden Tag aufs Neue um das optimale Angebot bemühe, konnte nicht alle Diskutanten besänftigen. Auch Fehler und unbeantwortete Anfragen an die Redaktion konnten nur erklärt, nicht aber entschuldigt werden.

Es gab auch interessante Anregungen, zur ärztlichen Versorgung oder zu kleinen, lokalen Themen, aber auch zum großen Thema Zuwanderung und Integration. Da wurde die Sorge deutlich, dass bereits vorhandene soziale Probleme bei türkischen und kurdischen Gruppen im Dreiländereck durch die Zuspitzung der Lage in der Türkei zum Problem zwischen Türken und Kurden werden könnten. Da solle man doch genauer hinsehen. Zugleich kam die Anregung, doch bitte mehr über das Leben der Migranten in der Region zu berichten – um ihnen mehr das Gefühl zu geben, dazuzugehören und sie zugleich davon zu überzeugen, dass es nicht ausreiche, sich ausschließlich über die Medien ihres Herkunftslandes zu informieren. Aber auch, um Migranten und Einheimische noch besser ins Gespräch zu bringen. Die Zeitung als Medium für Integration, eine große, vielleicht eine zu große Erwartung. Oder doch nicht?

Autor: Thomas Hauser