Was denken Leser über die Integration

WIR MÜSSEN REDEN: Freundlichkeit, Mentalität und Überforderung

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 16. Juli 2018

Kolumnen (Sonstige)

Nein, das Postfach quoll nicht über, nachdem ich vor 14 Tagen die Frage eines Flüchtlings öffentlich stellte: "Wann bin ich integriert?". Dass der nicht Syrer, sondern Eritreer ist, habe ich leider verwechselt. Aber in der Sache ändert das nichts. Immerhin, einige schrieben. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Man freut sich ja schon, wenn die üblichen Verdächtigen vom rechten Rand einen mit ihren Hassmails verschonen. In der Sache haben sie meist ohnehin nichts beizutragen. Andererseits lässt die verhaltene Resonanz den Schluss zu, dass diese Frage für viele offenbar (noch) keine wirklich drängende ist. Vielleicht aber sind viele der Diskussion auch überdrüssig, vor allem nach dem unwürdigen Schauspiel, das die Union, insbesondere Horst Seehofer in Berlin in den vergangenen Wochen aufgeführt hat. Das wäre verständlich.

Ein älterer Leser verweist in seiner Antwort auf die Integrationskriterien auf der Website des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Dieser "Idealzustand" sei mit Blick auf die bundesrepublikanische Wirklichkeit aber viel zu anspruchsvoll, weil auch eine große Anzahl "der schon länger hier Lebenden" diese Forderungen nicht erfülle.

Nicht nur bei ihm, sondern bei fast allen Zuschriften findet das Thema Grüßen ein großes Echo. Es scheint aus der Mode gekommen zu sein, was viele beklagen. Einer erzählt, dass er im Bekanntenkreis ausgelacht worden sei, als er sich über die Unfreundlichkeit vieler Leute beschwerte. Und dass Freundlichkeit kein typisch deutscher Wesenszug sei. Sie ist aber ein erster Schritt, die Fremdheit zu überwinden.

Nun hatte ich darauf hingewiesen, dass die Migranten, die uns besuchten, keine typischen Repräsentanten waren, wenn es die überhaupt gibt. Es waren aber nicht nur Männer, wie einige glauben, sondern auch nicht wenige Frauen. Und die Altersstruktur war gemischt. Viele weitergehende Fragen – Wollen sie zurückkehren, wenn es möglich ist? Wo sind ihre Angehörigen? Wollen sie die unterstützen? – waren nicht Thema unserer Gespräche. Sie hätten den Rahmen dieses Abends gesprengt. Ein Leser glaubt ohnehin, dass sich in Jahrhunderten gewachsene Mentalitäten nicht umerziehen ließen und Integration deshalb letztlich nie gelingen könne. Dabei verweist er – ich hoffe mit einem Augenzwinkern – darauf, dass es ja schon nicht gelinge, einen Schwaben zum Badener "umzuerziehen". Aber ist "Umerziehung" Integration? Wohl eher Assimilation.

Eine interessante Frage fügt er an: "Sollte es in den Heimatländern der Geflüchteten Frieden geben und diese den Wunsch haben, ihr Land wieder aufzubauen, wie werden die von uns Umerzogenen (Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung der Frau, Ehe für alle, Alkohol usw.) von den muslimischen Herrschern empfangen?" Die Antwort habe ich nicht, aber es wird sicher nicht konfliktfrei sein. Die Konfrontation mit anderen Ideen verändert immer beide Seiten. Und auch eine andere Frage, die ein Leser stellte – es waren dieses Mal tatsächlich alles Männer – kann ich nicht letztgültig beantworten: Warum wollen fast alle Flüchtlinge und Migranten nach Deutschland? Zu prüfen wäre, ob die Annahme überhaupt zutrifft, aber dass viele ihr Glück suchen und Deutschland als Land gilt, in dem dieses gefunden werden kann, sollten wir eher als Kompliment nehmen. Das war nicht immer so.