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11. September 2017

Leserdiskussion im Rahmen des BZ-Wahltages

WIR MÜSSEN REDEN: Kritik und Anteilnahme

Das Interesse war groß, auch wenn die Zahl der Interessierten überschaubar blieb. Wer sich im Rahmen des BZ-Wahltages zur Diskussion mit dem Ombudsmann versammelt hatte, war zumeist wohlwollend wissbegierig. Selbst dort, wo Kritik geübt wurde, sprach aus ihr die Anteilnahme mit einem lieb gewordenen Lebensbegleiter.

So wollten einige zunächst wissen, was denn so ein Herausgeber mache. Klar zu definieren ist diese Aufgabe nur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo die Herausgeber Ressort-Chefredakteure sind und als Gremium die Zeitung leiten. Ansonsten sind Herausgeber das, was sie daraus machen. Für mich ist dies eine Aufgabe, in denen ich meine Erfahrung überall dort einbringe, wo sie gewünscht ist: als Autor, in Konzeptdiskussionen und bei der Repräsentation der Zeitung.

Breiten Raum nahmen in der Diskussion Sprache und Handwerk ein. Gefordert wurde eine klare Trennung von nachrichtlichen und subjektiven Texten. Die ist, wie die gründliche Recherche, ganz wesentlich für die Glaubwürdigkeit eines Mediums. Gerade weil die Textsorten im Netz oft verschwimmen. Das bringt auch für die gedruckte Zeitung neue Herausforderungen. Dort ist die Nachricht überall dort auf dem Rückzug, wo die Zeitungsmacher davon ausgehen müssen, dass diese, während des Tages, von den meisten Menschen über Fernsehen oder Internetplattformen schon wahrgenommen wurde. Dann muss die Zeitung weiterführen, Hintergründe ausleuchten oder das Geschehen einordnen. Das heißt freilich nicht, dass man deshalb mit Fakten weniger sorgfältig umgehen darf. Im Gegenteil: Gerade weil die in den sozialen Netzwerken zunehmend verschwimmen, wird es immer wichtiger, aufzuzeigen, was man weiß, was wahrscheinlich ist und was man nicht weiß. Aber jeder und jedem sollte bewusst sein: Auch Nachrichten enthalten durch ihre Auswahl, ihre Länge und ihre Präsentation einen subjektiven Kern. Das freilich darf Redakteurinnen und Redakteure nicht dazu verleiten bei ihrer Arbeit Beliebigkeit walten zu lassen. Sie müssen im Gegenteil besonders verantwortungsbewusst und präzise arbeiten.

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Dies gilt im gleichen Maße für die Sprache. Leser bemängelten hier, dass man in der Zeitung oft Wörter verwende, die sinnentleert oder tendenziös seien. "Reform" ist ein Beispiel, auch "Flüchtlingskrise" oder "Gipfel" können angeführt werden. Sprache kann missbraucht werden – um zu verschleiern, um Stimmung zu machen oder um zu verleumden. Journalisten sind im Rahmen ihrer Arbeit vielen Sprachen ausgesetzt. Bürokraten, Experten, Politiker, Demagogen, Szenen benutzen ihr eigenes Deutsch, meist gedankenlos, manchmal aber auch absichtsvoll. Die zu übernehmen ist für Journalisten einfach, verführerisch aber falsch. Sie müssen Übersetzer sein, komplexe Sachverhalte verständlich machen, Verschleierungen aufdecken und aufzeigen, wo Sprache benutzt wird, um Stimmungen zu erzeugen. Dabei dürfen sie sich freilich auch nicht von denen benutzen lassen, die meinen, es könne eine wertneutrale, diskriminierungsfreie Sprache geben. Sprache ist ein Medium, nicht die Ursache für Diskriminierung. Sorgfalt und Sensibilität sind gerade deshalb geboten.

Autor: Thomas Hauser