BZ-Ombudsmann

Herausgeber und Ombudsmann – passt das zusammen?

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Di, 18. April 2017

Wir müssen reden

Kritische Fragen nach freundlichem Empfang

Vielen Dank für den überwiegend freundlichen Empfang als Ombudsmann. Dies zeigt mir zum einen, dass es Gesprächsbedarf und Gesprächsbereitschaft gibt. Gerade Letzteres ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Neben konkreten Anfragen, deren Inhalt ein breiteres Publikum nicht interessieren dürfte und die deshalb besser direkt beantwortet werden, meldeten sich alte Bekannte. Deren Anliegen waren mir zwar vertraut, sie werden aber genauso ernst genommen, wie neue, aktuelle Fragen. Beherrschendes Thema in den ersten Reaktionen ist die berechtigte Frage, ob es richtig oder eine Mogelpackung ist, wenn der ehemalige Chefredakteur und jetzige Herausgeber die Aufgabe des Ombudsmanns übernimmt. Um die beantworten zu können, muss man vorab zwei Dinge klären:

1. Wie wird die Rolle des Ombudsmanns definiert? Er kann Leseranwalt sein, als neutrale Instanz über den Parteien stehen oder versuchen, die Arbeit der Redaktion zu erklären. Alle drei Beschreibungen passen idealtypisch zu mir nicht. Ich würde aber gerne aus allen etwas herausziehen und mich eher als Mittler versuchen. Das heißt, dort, wo es nötig ist, Leseranwalt sein, der Redaktionen auch überzeugen kann, sich entweder einer Sache doch anzunehmen oder einen Fehler einzugestehen.

Es wird andererseits Fälle geben, in denen es geboten ist, die Arbeit der Redaktion zu erklären, um Verständnis zu werben oder zu sagen, warum sie – meiner Recherche nach – richtig gehandelt hat. Die Begriffe objektiv und neutral erscheinen mir im Zusammenhang mit Menschen schwierig, aber Pressesprecher oder Abwiegler der Redaktion will ich auch nicht sein.

2. Was ist die Rolle des Herausgebers? Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht. Im Fall Badische Zeitung ist er zwar auch Autor, Ideen- und Ratgeber. Aber er ist nicht mehr im Alltagsgeschäft, nicht mehr Mitglied der Redaktion und auch nicht deren Aufseher. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass es nicht nur eine allgemeine Pressefreiheit gibt, sondern auch eine innere. Verantwortlich für die Inhalte ist der Chefredakteur und nicht der Verleger, der Geschäftsführer oder der Herausgeber. Aber auch er wird scheitern, wenn er seinen Mitarbeitern zu enge Grenzen setzt. Engagement, handwerkliche Sorgfalt und Kreativität lassen sich nicht erzwingen und einer allein kann nicht eine tägliche Produktion im Umfang eines Taschenbuches überwachen. Der Herausgeber, so wie er im Badischen Verlag gelebt werden soll, ist natürlicherweise in einer Mittlerrolle – nach außen, aber auch zwischen Redaktion und Verlag.

So betrachtet ist es alles andere als eine Mogelpackung, sondern folgerichtig, wenn der Herausgeber auch die Funktion eines Ombudsmannes übernimmt. Er kennt die Abläufe in der Redaktion. Er kennt deren Stärken und Schwächen, aber auch deren Möglichkeiten und Grenzen. Zugleich ist er auch Leser, zwar mit direkterem Zugang zur Redaktion und insofern privilegiert, aber oft ähnlich machtlos und gewiss nicht immer mit allem einverstanden. Als solcher kann er Stimme der Leserinnen und Leser in die Redaktion hinein verstärken. Lassen sie es uns also einfach versuchen.