Ein Forum braucht Regeln

WIR MÜSSEN REDEN: Wer sich zu Wort meldet, sollte sich vorstellen

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 18. Dezember 2017

Wir müssen reden

Seien Sie froh, dass Sie nicht selber schreiben müssen." Nein, das ist nicht mein Rat an Sie, das ist der Werbespruch eines renommierten Buchverlags. Er steht sinnbildlich für die Dienstleistung, die Autoren und Journalisten erbringen. Wobei vor dem Schreiben noch recherchiert, gesichtet, sortiert und ausgewählt werden muss. Das spart Ihnen Zeit, im besten Fall ist es für Sie auch noch unterhaltend.

Aber viele Leserinnen und Leser schreiben ganz gerne, manche fast zu gerne. Das Internet ist dabei wieder einmal Segen und Fluch zugleich. Im guten Fall entsteht dort ein virtueller Stammtisch zu den redaktionell präsentierten Themen eines Tages. Im schlechten wird herumgepöbelt, was die Kolleginnen und Kollegen zwingt, einzugreifen. Denn wer toleriert schon gerne Schmuddelecken, schon gar, wenn er dafür haftet.

Im Printforum sind die Umgangsformen eingeübt und unkompliziert – sollte man meinen. Aber auch da gibt es jede Menge Fallstricke und Konflikte. Nicht nur dann, wenn jemand sich einer fremden Identität bemächtigt. Ja, das gibt es auch in der analogen Welt. Oder, wenn Menschen einen derart großen Schreibdrang haben, dass man den bremsen muss, um auch andere zu Wort kommen zu lassen. Oder, wenn man Briefe aus demselben Grund radikal kürzt. Ich selbst bin ein Anhänger davon, möglichst viele Leserinnen und Leser mit kurzen Argumenten zu Wort kommen zu lassen, um so eine lebendige Leserdiskussion zu gestalten. Aber der Aufwand dafür ist ähnlich groß wie die Chance, sich jede Menge Ärger einzuhandeln. Und, zugegeben, manchmal muss man auch etwas gründlicher argumentieren dürfen.

So oder so aber sollte offen miteinander diskutiert werden. Anonyme Briefe sind was für Feiglinge. Wer mitreden will, sollte sich vorstellen. Dazu gehören nicht nur Name und Adresse, sondern auch ein Hinweis, wenn man sich in einem Thema besonders auskennt, zum Beispiel, weil man in diesem Bereich arbeitet, oder weil man Partei ist. Grundsätzlich gilt, dass Mandatsträgerinnen und Mandatsträger mit ihren Anliegen im normalen journalistischen Rahmen zu Wort kommen, nicht in Leserbriefen. Aber was ist mit dem FDP-Kreisrat, der Lindners Ausstieg aus den Jamaika-Verhandlungen gut findet? Streng genommen ist das eine "Ich-auch-Meldung". Also wenig originell. Anders wäre es, wenn der CDU-Gemeinderat Merkels Rücktritt forderte oder der SPD-Ortsvorsitzende Martin Schulz hart anginge.

Journalistisch wären die Hürden also hoch. Auch bei Leserbriefen würde die Redaktion genauer hinsehen. Besonders dann, wenn mehrere mit ähnlichem Tenor eintrudelten. Deshalb versuchen manche zu täuschen. Sie können damit durchkommen, fliegen wahrscheinlich aber auf. Die Briefe landen dann im Papierkorb, denn Kampagnen haben im Forum nichts verloren. Mein Rat: Schreiben sie offen, wer Sie sind. Dafür erhalten sie eine faire Chance, abgedruckt zu werden. Das sollte eine akzeptable Regel sein. Oder?