Wir müssen reden

Gehört Dialekt in die Zeitung?

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 31. Juli 2017

Wir müssen reden

Dass man bi uns au Alemannisch schwätze cha, bringt Leser auf die Idee, man könne den Dialekt doch öfter ins Blatt einstreuen. Manche machen sich deshalb zum Beispiel als Vereinsvorsitzende daran, die Idee gleich in die Tat umzusetzen. In die Redaktion flattert dann elektronische Post, in der zum Beispiel eine Veranstaltung in Alemannisch angekündigt wird, launig gedichtet obendrein. Und die Enttäuschung ist groß, wenn diese Meldung dann weder exakt so noch in akribischer Simultanübersetzung gedruckt wird, sondern in profaner Nachrichtensprache.

Nun will ich hier nicht eine Diskussion darüber beginnen, ob alle Redakteurinnen und Redakteure der Badischen Zeitung des Alemannischen mächtig sind – sie sind es nicht. Das ist weder Anstellungsvoraussetzung noch Teil der redaktionellen Grundhaltung. Und manche Zugereisten, wie man bei den Kollegen des SWR beobachten kann, leben die Mundart intensiver als viele Einheimische. Aber alles an seinem Platz. Mundart ist keine Druckart, es sei denn sie wird literarisch gebraucht. Selbst in der Deutschschweiz, wo das Alemannische in Form des Schweizerdeutschen in der Öffentlichkeit omnipräsent ist, ist die Zeitungssprache Schriftdeutsch – von regionalen Wörtern oder Formulierungen abgesehen, aber damit irritieren auch die Badener in der Redaktion manchmal die Zugereisten. Alles andere würde zu einer alemannischen Sprachverwirrung führen, zumal fast jedes Dorf seine sprachlichen Eigenheiten pflegt.

Apropos Verwirrung. Die leidigen Fehler und ihr Umgang damit. Da hat ein Leser die Redaktion bei einer Schlamperei ertappt und die hat weder reagiert noch korrigiert. Vier, nicht dreimal, wie wir geschrieben haben, war die Tour de France in Freiburg zu Gast gewesen. Auch 1964, wie sich der Leser erinnert, wo er mit seinem Vater an der Strecke gestanden habe, um Rudi Altig zuzujubeln, der damals in Freiburg ins gelbe Trikot fuhr. Der Leser hat Recht, räumt die Redaktion ein, das Mail sei aber nie wahrgenommen worden. Ärgerlich. Denn grundsätzlich gilt: Fehler werden korrigiert und Mails beantwortet. Wir bleiben dran, auch wenn das Thema uns wahrscheinlich ständig begleiten wird.

Genau wie die Flüchtlingskrise 2015 und die Berichterstattung darüber in den Medien. Das Thema ist diese Woche durch eine Untersuchung des Medienwissenschaftlers Michael Haller wieder hochgekocht. Einige Leserinnen und Leser haben auch mich damit konfrontiert. Dazu gäbe es viel zu schreiben. Aber Thomas Steiner hat die Debatte auf den Kulturseiten ausführlich dargestellt, und Chefredakteur Thomas Fricker hat das aus seiner Sicht Nötige dazu geschrieben. Da kann sich der Ombudsmann die Zeit gönnen, die ganze, 184 Seiten starke Studie erst einmal in Ruhe zu lesen und seine Erinnerungen durch einen Blick in die Zeitungsbände aufzufrischen. Möglich, dass es danach noch etwas zu schreiben gibt. Vielleicht ist aber auch schon alles gesagt.