Auch für Medien-Ombudsleute gibt es eine Vereinigung

WIR MÜSSEN REDEN: Netzwerk oder Institution?

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 27. November 2017

Wir müssen reden

Wenn in Deutschland sieben Leute zusammenkommen, gründen sie einen Verein. Die Vereinigung der Medien-Ombudsleute gibt es nun schon ein paar Jahre, ohne dass sie sich formal institutionalisiert hat. Es sind auch nur etwas mehr als ein Dutzend Zeitungen, die sich eine solche Person leisten, die in Konflikten unabhängig zwischen Redaktion und Leserin oder Leser vermitteln kann. Oft sind es ältere Kolleginnen oder Kollegen, manchmal auch pensionierte Juristen oder verdiente Personen des öffentlichen Lebens. Auch wenn sie unterschiedlich benannt werden, ist ihre Funktion immer ähnlich. "Wir nennen uns Ombudsmann, Leseranwalt oder Leser-Botschafter. Eines haben wir gemeinsam: den Willen, dabei zu helfen, bestmögliche Produkte hervorzubringen. An der Schnittstelle zwischen Lesern und Redaktion wirken wir nach innen und außen", heißt es auf der Homepage der Gruppe (http://www.vdmo.de

Dazu gehört auch ein interner Austausch über die Arbeit und ihre Herausforderungen. Vergangene Woche gab es ein Treffen bei der Süddeutschen Zeitung in München. Als Neuling in dieser Runde war ich natürlich neugierig auf die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen, auch wenn ich einige von ihnen schon länger kenne. Die meisten von ihnen erzählten ähnliche Geschichten, Geschichten, die ich auch kenne. Wobei der Ton der Auseinandersetzungen, wen wundert’s, in Sachsen rauer ist als im beschaulichen Südwesten der Republik. Die von außen kommenden Ombudsleute haben es etwas leichter, von der Leserschaft als glaubwürdig anerkannt zu werden, die intern gewachsenen werden im Umgang mit der Redaktion schneller akzeptiert. Kritik zu ertragen fällt aber allen schwer, Journalisten, Lesern und Ombudsleuten. Auch wenn nicht alle so souverän dazu stehen wie Herbert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, der gefragt, ob er immer von seiner Meinung überzeugt sei, lapidar antwortete: "Ja."

Neben regionalen Besonderheiten gibt es auch bei den Themen große Überschneidungen: Fehler in der Recherche und in der Orthografie, die Nennung von Namen und Nationalitäten bei Straftaten, Verletzungen des Persönlichkeitsrechtes, Themen, die subjektiv oder tatsächlich vernachlässigt werden, nicht gedruckte oder subjektiv falsch gekürzte Leserbriefe, Anfragen, die von der Redaktion nicht oder nicht zufriedenstellend beantwortet wurden. In den meisten Fällen führt schon die Befassung mit dem Thema durch den Ombudsmann zur Befriedung, manchmal muss man länger streiten – ob mit den Journalisten oder mit den Lesern. Und manche wollen es einfach nicht verstehen. Dann muss man den Dialog auch beenden.

Ach ja: Die Vereinigung will jetzt doch ein Verein werden. Die Netzwerker sind zu der Erkenntnis gelangt, dass sie als Institution in Verlagen, Verbänden oder in der Politik leichter akzeptiert werden. Wenn es dazu führt, dass die Zahl der Ombudsleute kräftig wächst und sie in ihrer Arbeit besser unterstützt werden, soll mir das recht sein.