Die Zeitung und ihre Nachrichtenagenturen

WIR MÜSSEN REDEN: Vom Umgang mit Texten

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 25. September 2017

Wir müssen reden

Nachrichtenagenturen sind für manche Leserinnen und Leser eine zweifelhafte Informationsquelle. Dieser Ruf ist unverdient. Denn sie sind das Informationsnetz, das Journalisten brauchen, um ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen. Die Deutsche Presseagentur (dpa) etwa ist keine fremde Macht, sondern ein Gemeinschaftsunternehmen der Zeitungsverlage. Sie sichert eine weltweite Präsenz für Text und Bildangebote, die von den wenigsten Zeitungen alleine darzustellen wäre. Für die zwei, drei, die das für sich in Anspruch nehmen, sind sie trotzdem ein wichtiger Rohstofflieferant. Ihre Sprache ist sachlich nüchtern. Gute Zeitungen greifen auf mehrere Agenturen zurück – auch die BZ.

Dass sich diese Kernaufgabe verändert hat und Agenturen zum journalistischen Vollsortimenter werden, liegt weniger an den Agenturen als an vielen ihrer Auftraggeber. Die wollen am liebsten mundgerechte Angebote, die sie möglichst effizient weiterverbreiten können. Das aber macht Agenturarbeit nicht unbedingt einfacher und oft auch nicht besser. Besonders schwierig wird dies überall dort, wo zwischen Nachricht und Verwertung kaum Zeit bleibt – etwa im Sport. Eine schnell geschriebene Nachricht rutscht dann schnell ins Blatt – der Andruck wartet.

Sprachveränderungen, aber auch ein laxer werdender Umgang mit der geschriebenen Sprache werden dadurch besonders deutlich. Dafür kann man die Agenturkollegen kritisieren, die Verantwortung für das, was in der Zeitung erscheint, liegt aber trotzdem immer in der Redaktion.

Idealtypisch sollte ein Redakteur alle zu einem Thema auflaufenden Informationen kennen und aus diesem Rohstoff die wichtigsten Informationen auf dem zur Verfügung stehenden Platz in einer sprachlich korrekten und verständlichen Art komprimieren. Das heißt, es darf kein Text unredigiert ins Blatt, egal ob er von der Agentur, einem Redakteur oder einem Korrespondenten stammt. Agenturtexte müssen schon deshalb bearbeitet werden, weil sie meist weit mehr Informationen enthalten, als Platz zur Verfügung steht. Aber grundsätzlich sind alle Texte Rohmaterial, das in der Redaktion gewichtet sowie inhaltlich und sprachlich perfektioniert werden muss. Dass Redakteurinnen und Redakteure über Zeitdruck und Arbeitsverdichtung klagen, erklärt vieles, entschuldigt aber nichts.

Ziel muss immer die gut redigierte Zeitung sein. Dass dies bei manchen Texten mehr Aufwand erfordert als bei anderen, ist so. Wobei die Trennlinie keinesfalls scharf zwischen Agentur und Mitarbeitertext verläuft und bei Bildern die Agenturen oft klar im Vorteil sind. Am Ende bleibt immer die schlichte Erkenntnis: Eine Zeitung ist immer das, was die Redaktion daraus macht. Sie braucht Eigenbeiträge, originelle Ideen, gut recherchierte Fakten, Hintergründe, Kommentare und spannend erzählte Geschichten. Letztlich aber steht und fällt alles mit der Güte ihrer Redigatur.