Leserbriefe

WIR MÜSSEN REDEN: Von Kürzung und Verantwortung

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 15. Januar 2018

Wir müssen reden

Zu Beginn der ersten Kolumne des neuen Jahres sollen die besten Wünsche stehen, auch wenn das Jahr schon wieder einige Tage alt ist. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, alles Gute, Gesundheit und Erfolg für ein hoffentlich friedliches 2018.

Darüber hinaus gilt es Missverständnisse zu klären. Ich bin als Ombudsmann nicht Redakteur für Briefe an die Redaktion. Die Forum-Seite wird von einer eigenen Redaktion betreut, die der Chefredaktion unterstellt ist. Die Kolleginnen sichten die einkommenden Briefe und Mails, holen eine Stellungnahme der Fachredaktionen ein und entscheiden dann, was in welcher Länge und Form veröffentlicht wird. Dass auf dieser Seite auch Platz geschaffen wurde für diese Kolumne, sollte diese Trennung nicht verwischen. Der Kolumnenplatz ist, wenn Sie so wollen, exterritoriales Gebiet.

Warum schreibe ich das? Zunächst einmal, weil es immer wieder Schreiben gibt, in denen ich verantwortlich gemacht werde, wenn Leserbriefe nicht oder nur gekürzt abgedruckt werden. Das bin ich nicht, auch wenn ich nie einen Hehl daraus gemacht habe, dass ich ein Freund kurzer Briefe bin, weil sich nur so eine vielfältige Leserdiskussion abbilden lässt. Das heißt aber auch, dass es manchmal sinnvoll ist, aus einem Brief nur ein Argument herauszunehmen, weil andere Argumente von anderen Schreiberinnen und Schreibern eingebracht werden. Das Leserforum soll kein Platz für Co-Leitartikel sein.

Für die jeweiligen Autorinnen und Autoren kann dies irritierend, manchmal auch ärgerlich sein. Vor allem dann, wenn durch die Kürzung die Tendenz der Zuschrift verändert wird. Das darf nicht sein. Dies zu verhindern, ist die Kunst des Redigierens und erfordert einige Sensibilität. Es gelingt nicht immer. Für die Leserinnen und Leser aber sind die Kürzungen in der Regel ein Gewinn. Sie erhalten eine größere Vielfalt an Meinungen und Argumenten auf dem vorgegebenen Platz.

Nun hat ein Leser die Bitte geäußert, dass bei gekürzten Briefen der Hinweis stehen solle, dass diese Leserzuschrift nicht im vollen Umfang abgedruckt werde. Das sei wichtig, weil der Name des Verfassers am Ende genannt werde und er für seine Zuschrift die Verantwortung übernehmen müsse.

Dieses Argument ist schwerwiegend, der Vorschlag aber nur schwer praktikabel. Denn in der Regel müssten dann alle abgedruckten Briefe mit einem solchen Hinweis versehen werden. Dass Briefe nicht gekürzt werden, ist die Ausnahme, es sei denn der Schreiber oder die Schreiberin hätten sich vorauseilend schon auf eine knappe Form konzentriert.

Letztlich muss aber auch dies die Redaktion entscheiden, genau wie die Frage, wann und ob ein Leserkommentar online gekippt oder ein Kommentator gesperrt werden muss, weil Fake-News, Hass oder Hetze auch dort keinen Platz haben. Der Ombudsmann vermittelt in strittigen Fällen und kritisiert, wenn er anderer Meinung ist, gibt Ratschläge oder Empfehlungen.

Ein ganz anderes Thema sei hier noch kurz gestreift. Ein Leser hat sich darüber geärgert, dass eine kurze dpa-Geschichte über Tweets des Fernsehmoderators Thomas Gottschalk vor Weihnachten nicht online kommentiert werden konnte. Nun kann man die Relevanz einer solchen Nachricht grundsätzlich in Zweifel ziehen. Dass man dies oder andere Anmerkungen aber nicht auf badische-zeitung.de niederschreiben konnte, liegt nicht am bösen Willen oder mangelndem Mut der Redaktion. Die Meldung lief in den Kurzmeldungen, die von der Deutschen Presseagentur direkt im entsprechenden Nachrichtenticker der Website einlaufen und dort nach einiger Zeit auch wieder gelöscht werden. Kommentare zu Artikeln, die nicht mehr nachgelesen werden können, sind aber sinnlos. Deshalb kann in dieser Rubrik nicht kommentiert werden. Ebenso wie bei den Polizeinachrichten. Doch das ist eine andere Geschichte.