Unterm Strich

Wo wäre Deutschland bevölkerungspolitisch ohne Beate Uhse?

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 16. Dezember 2017 um 20:24 Uhr

Panorama

Spätestens im Advent hofft man, das Jahr möge ohne weitere schlechte Nachrichten zu Ende gehen. Vergeblich, wie man aus den Vorjahren weiß. Denn wir wissen jetzt: Beate Uhse ist pleite.

Schlechte Nachrichten machen vor Adventskränzen nicht halt, sondern kommen weiterhin mit sturer Unerbittlichkeit, was niemanden freut, außer Zeitungsleute, die damit hausieren gehen. Auch schlechte Nachrichten vom Wirtschaftsstandort. Da war bereits manches zu verdauen, das um die deutsche Wertarbeit fürchten lässt. Manipulierte Dieselautos, abgesackte ICE-Strecken, notgelandete neue Airbusse, schimmelnde Großflughäfen...

Am Freitag haben die Nachrichtenagenturen die schwarze Serie um einen Schlag unter die Gürtellinie bereichert – per Eilmeldung um 10.32 Uhr: Beate Uhse ist pleite. Nicht Beate Uhse natürlich, die das nicht mehr erleben muss, weil sie schon 2001 mit 81 Jahren gestorben ist – aber ihr Unternehmen. Na und? Na und! So können auch nur ganz Unsensible fragen.

Wer weiß, wo Deutschland bevölkerungspolitisch heute wäre ohne das "Institut für Ehehygiene", das 1962 in Flensburg seine unscheinbare Ladentür öffnete, mit diskret verhängten Schaufenstern? Bald expandierten die "Institute" in die ganze Republik, und bald stand endlich auch draußen dran, was sie drinnen waren: Sex-Shops.

Doch die "goldenen Jahre des Sex-Unternehmens sind schon lange vorbei", trauert dpa. Vorbei die Zeiten, da Gierige und Neugierige, verstohlen sich umblickend, in die Institute huschten – um drinnen an den Regalen auf errötende Mitschüler, Lehrer oder Arbeitskollegen zu treffen. Der Mauerfall, erfahren wir, brachte der ermatteten Firma nochmal ein erektiles Zwischenhoch.

Seit es aber daheim das Internet gibt, haben Weiterbildungswillige es nicht mehr nötig, sich in "das leicht angeschmuddelte Image von Porno, Rotlicht und Bahnhofsviertel" (schon wieder dpa) zu begeben. In Frankreich, schreiben die Kollegen von AFP, sei Beate Uhse noch Marktführer. In Frankreich! Und was tut die Bundesregierung? Sie prüft, heißt es, eine Finanzspritze.