Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Januar 2016

Tagesspiegel

Anschlagswarnung in München: Der Schatten des Terrors

Das Jahr 2016 hat gut angefangen: Dem konkreten Hinweis auf einen geplanten Terroranschlag in der Silvesternacht in München folgte die Entwarnung fast auf dem Fuße.

Wieder einmal haben wir mehr Glück gehabt als unsere Nachbarn in London, Madrid und zuletzt Paris. Es kam nicht zu einem verheerenden Anschlag. Aber es ist ein fragiles Glück, das uns nun schon so lange gewogen ist. Die Bilder von den Polizisten in voller Schutz- und Kampfmontur nehmen jedenfalls die Chance, zu verdrängen. Sie rücken ins widerstrebende Bewusstsein, wie brutal und fundamental die terroristische Bedrohung ist, die latent über unserem, im Alltag so friedlichen Land liegt. Auch wenn die bayerische Polizei im Augenblick nicht einmal sagen kann, ob tatsächlich ein Anschlag geplant war oder ob die verdächtigen Personen, auf die ihre Hinweise sich bezogen, auch nur existieren, hat der islamistische Terrorismus schon einen Teilerfolg erzielt. Denn der Terror wirkt schon, bevor er passiert. Er stiftet Unsicherheit und Angst. Er hat die Behörden zum Handeln und Hunderte Polizisten zum Sondereinsatz gezwungen. Er lässt uns schwanken zwischen trotziger Jetzt-erst-recht-Feierlaune und der lauernden Frage, ob man nicht doch irgendwie vorsichtiger sein müsste. Der Schatten des Terrors wird 2016 wohl nicht verschwinden. Er wird uns begleiten – und wir werden ihn aushalten müssen.

Werbung

Autor: Bärbel Krauß