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08. August 2011

Unterm Strich

Chinesische Steine in Malsburg-Marzell: Verstand beißt auf Granit

Warum in Kandern Steine aus China verbaut werden / Von Franz Schmider.

Es geht um Steine, viele Steine. Nicht um Marmor, nicht um Gold, nicht um die begehrten Seltenen Erden, es geht um Granit. Granit, wie er auch im Schwarzwald an vielen Stellen vorkommt und abgebaut wird. Zum Beispiel in Malsburg-Marzell, einer am Fuße des Blauen, im Kandertal gelegenen Gemeinde. Der Malsburger Granit ist gar ein Markenzeichen, ein Stein von hervorragender Qualität, robust und unverwüstlich.

Im Kandertal gibt es also, was man in der Stadt Kandern dringend braucht. Es gilt, den kleinen Fluss zu zähmen, der hin und wieder über die Ufer treten will. Und was wäre besser geeignet, der Kraft des tosenden Wassers standzuhalten, als Granit? Die Altvorderen haben dies schon gewusst; bis heute wird es bei ganz anderen Gewässern und Kräften beherzigt.

Malsburg ist nah, den Weg könnte man "mit der Schubkarre" zurücklegen, wie ein Beteiligter einräumt. Das ist, bedenkt man die Tonnenlast, salopp formuliert. Aber es trifft den Kern. Schanghai hingegen ist fern, 10 620 Seemeilen, umgerechnet 19 600 Kilometer, um genau zu sein. Dennoch wird der Granit für die Sanierung des Flusslaufes aus dem Reich der Mitte geholt. 35 Tage braucht ein Schiff von Schanghai nach Rotterdam, von dort müssen die Steine auf Rheinschiffe oder – wie in diesem Fall zum Teil geschehen – auf Lastwagen umgeladen werden.

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Stärker als der gesunde Menschenverstand sind wieder einmal die Logik der Globalisierung und die Gesetzmäßigkeiten der staatlichen Förderrichtlinien. Die besagen, dass Zuschüsse nur fließen, wenn der billigste Bieter zum Zuge kommt. Und der greift eben auf Granit aus dem Fernen Osten zurück. Weil dort die Steinmetze, die die ausgebrochenen Granitblöcke behauen, für einen niedrigeren Stundenlohn den Hammer schwingen. Immerhin verlangt das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde vom Steinlieferanten ein Zertifikat, dass es keine Kinderhände sind, die die Felsblöcke in jene Form bringen, die den kleinen Schwarzwaldfluss in seinem Bett halten.

Autor: fs