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21. Juni 2012

Leitartikel

Das Ende der Freiburger Exzellenz: Wehe den Verlierern?

Ob der Verlust des Elite-Titels harte Folgen für das Image Freiburgs hat, ist offen

Vae Victis – wehe den Verlierern! Der lateinische Spruch kreiste in den Tagen vor der Entscheidung in der Exzellenzinitiative. Nun ist die Entscheidung gefallen, und die Universität Freiburg ist – nicht ganz so überraschend wie Karlsruhe – unter den drei Verlierern. Solange die Aussagen der Gutachter nicht bekannt sind, lassen sich über deren Motive nur Vermutungen anstellen. Doch auf ein zentrales Problem des Freiburger Zukunftskonzepts wurde intern wie extern schon früher hingewiesen: Dessen Herzstück, das Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias) hatte ganz auf Exzellenz, auf Elite gesetzt – wohl zu sehr, wie man jetzt weiß. Denn es hat sich in aller Welt nach klugen Köpfen umgeschaut und sie als Fellows eingeladen, während aus der eigenen Hochschule nur ein Fünftel der Frias-Forscher stammt. Damit steht in der Universität ein Leuchtturm aus Elfenbein, der international sichtbar ist. Aber die unten an der Basis haben wenig von dem Licht weit oben – oder gar nichts, folgt man studentischen Äußerungen.

Genau so freilich arbeiten herausragende Forschungseinrichtungen in aller Welt. Und an diese Spitze sollte die Exzellenzinitiative die deutschen Universitäten doch heranbringen. Oder war das nur ein großes Missverständnis? Finanziell hat die Ausstattung der Exzellenzinitiative nie an diese Vorbilder herangereicht. Wohl aber rhetorisch: Gerade in den Zukunftskonzepten zeigt sich, wie gut deutsche Universitäten auch auf englisch die Schlagwörter internationaler Wissenschaftspolitik beherrschen. Da war alles interdisziplinär und international, da ging es stets um die besten Köpfe und um exzellente Nachwuchsförderung. Unterschiede bestanden in der Regel nur in der Dimension und Organisation der neu zu schaffenden gesamtuniversitären Forschungsinstitutionen – sowie in deren Aufteilung unter Jung und Alt.

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Es konnte aber gar nicht anders sein, wenn vor allem Konzepte miteinander streiten: Ohne den Jargon der Exzellenz klängen die viel zu nüchtern, um die aus aller Welt eingeflogenen Gutachter zu überzeugen. Doch bei aller Kritik gilt, dass die Exzellenzinitiative auch in Freiburg große Dynamik in das schwerfällige Universitätssystem getragen hat. Sie zwang die Hochschule als Ganzes, über ihre Zukunft nachzudenken; dazu musste sie, wiederum als Ganzes, ihren aktuellen Zustand analysieren. Allein das hat vieles in der Universität verändert. Dieser Lernprozess hält hoffentlich an. Selbst in die Lehre drang das Wort "exzellent" vor, dort aber bei weitem nicht mit so viel Geld versehen wie in der Forschung. Die Exzellenzinitiative hat daher schon immer die Humboldtsche Universitätsidee verraten, die Lehre und Forschung gleichauf sah. Offenbar haben die Gutachter dies jetzt mit ihren Bewertungen zu lindern versucht.

Vae Victis! Der Verlust des Elitetitels schmerzt, nicht nur in Freiburg. Aber ob er wirklich die befürchteten harten Folgen fürs Image haben wird, steht dahin. Elite hat sich nie über die Exzellenzinitiative allein definiert. Da gibt es die Ranglisten der Forschungsgelder, die Rankings internationaler Hochschulvergleiche, auch die traditionelle Instanz des guten Rufs.

Und in fünf Jahren verlieren ja alle heutigen Elite-Unis diesen inoffiziellen Titel. So gut es für die Hochschulen ist, dass es keine Fortsetzung dieses Wettbewerbs gibt, der in seiner Atemlosigkeit wissenschaftsfremd ist, so schlecht ist es, dass heute weder Bund noch Länder wissen, wie es mit all den neuen Graduiertenschulen, Forschungseinrichtungen und Eliteinstituten finanziell weitergehen wird. Ihre Interessen sind wohl zu unterschiedlich, um hier eine gemeinsame Linie zu finden. Daher könnte es sein, dass Freiburg und Karlsruhe 2017 froh sein werden, dass sie schon Jahre zuvor ihr Zukunftskonzept auf solide eigene Beine stellen mussten. Gelingt ihnen das, sind sie gewiss keine Verlierer mehr.

Autor: Wulf Rüskamp


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