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16. Februar 2016

Tagesspiegel

Debatte um den Zölibat: Chance zur Erneuerung für die katholische Kirche

Bereits mehrfach hat Papst Franziskus angedeutet, den Zölibat lockern zu wollen. In Deutschland dürfte er damit den Nerv vieler Gläubiger, aber auch zahlreicher Bischöfe treffen. Das gilt jedoch nicht im weltkirchlichen Kontext.

Für den überwiegenden Teil der Bischöfe und Kardinäle gehört die sexuelle Enthaltsamkeit nach wie vor zum Markenkern der Kirche. Ginge der Papst seinen Weg konsequent weiter, würde der Graben zwischen den streitenden Lagern tiefer. Traditionalisten und Reformer stünden sich noch unversöhnlicher gegenüber. Will die Kirche aber den gesellschaftlichen Anschluss nicht verlieren, kommt sie nicht umhin, die Bistümer vor Ort in ihrer Entscheidungsfreiheit zu stärken. Dass Franziskus dies erkannt hat, ist wichtig. Der katholischen Kirche bietet sich dadurch die Chance zur Erneuerung – auch beim Thema Zölibat. Sie muss nun zeigen, ob es ihr gelingt, ihre Vielfalt als Weltkirche zu bewahren, ohne die eigene Identität preiszugeben. Ob sie diese Chance nutzt, ist längst nicht ausgemacht. Die Widerstände gegen Reformen sind groß – vor allem aus der Kurie, die eine Erosion der Macht fürchtet. Der Papst weckt zwar immer wieder Erwartungen, doch vor endgültigen Entscheidungen schreckt auch er zurück. Dabei steht für Franziskus viel auf dem Spiel. Der Erfolg seines Pontifikats hängt davon ab, ob die Strategie der kleinen Schritte Früchte trägt.

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Autor: Sebastian Kaiser