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09. März 2015

Eckstoß

Der Fußball ist im Anti-Doping-Kampf Nachzügler statt Vorreiter

Der Fußball und der Anti-Doping-Kampf.

Manchmal freuen sich die Fußballer ja, wenn sie eine sogenannte englische Wochen haben, also dreimal binnen acht Tagen kicken müssen. Vor allem die Verlierer mögen englische Wochen, denn diese verhindern, dass die Fußballer ins Grübeln kommen. Sie haben dann einfach keine Zeit dazu. Vergangene Woche, nach den Dopingvorwürfen gegen die Vereine VfB Stuttgart und SC Freiburg, die die Zeit in den 1970er und 1980er Jahre betreffen, wäre es eigentlich einmal an der Zeit gewesen, ein bisschen inne zu halten und nachzudenken. Stattdessen palaverten die Herren Robin Dutt (VfB Stuttgart), Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) und Mehmet Scholl (ARD) darüber, wie komplex doch der Kicksport sei, dass Doping im Fußball so gut wie nichts bringe – und, wenn überhaupt, sei es ein Thema aus der Vergangenheit. Im Heute und Jetzt sei es ja unmöglich, verbotene Mittel zu nehmen, ohne aufzufliegen. Also wurde am Wochenende wieder zur Tagesordnung übergegangen und nur darüber gesprochen, ob Siege verdient gewesen sind und ob ausgegebene Taktiken aufgingen. Kein Wort wurde hingegen darüber verloren, dass es der Fußball-Bundesliga (die sich so gerne als Marke darstellt), gut zu Gesicht stünde, eine Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kampf zu übernehmen. Wo, wenn nicht im Fußball, sind denn die finanziellen Mittel so üppig? Aber beim Anti-Doping hinkt der Kicksport traditionsgemäß hinterher. Wettkampfkontrollen gibt’s in der Bundesliga erst seit dem Jahr 1988, Trainingskontrollen seit 1995 – und die im Gegensatz zu den Urinkontrollen deutlich effektiveren Blutkontrollen gar erst seit der laufenden Saison. Darüber können die vielgescholtenen Radsportler nur lächeln.

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Autor: Georg Gulde