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24. März 2010 19:35 Uhr
"Faire Milch"
Die neue Breisgaumilch-Spitze spielt ein riskantes Spiel
Nach dem Machtwechsel bei der Freiburger Molkerei Breisgaumilch schlägt die neue Spitze eine andere Richtung ein. Auf die Marke "faire Milch" zu setzen ist aber riskant, meint BZ-Redakteur Jörg Buteweg.
Der Wechsel könnte klarer nicht sein. Am 5. Februar lehnte der Aufsichtsrat der Breisgaumilch es noch ab, die Marke "faire Milch" abzufüllen. Dem neu besetzten Gremium mit einer Mehrheit von Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kann es mit deren Abfüllung nicht schnell genug gehen.
Der BDM, der öffentlichkeitswirksam zwei Milchlieferboykotts gestartet hat, ist politisch erfolglos geblieben. Seine Ideen, die Milchmenge zu begrenzen und über Verknappung die niedrigen Preise in die Höhe zu treiben, sind nicht aufgenommen worden. Bund und Länder haben zwar 750 Millionen Euro zusätzlich für die Milchbauern bereitgestellt. Am Grundproblem, dass zu viel Milch auf den Markt kommt, der Verbrauch aber nicht wächst, hat sich jedoch nichts geändert.
Nun versucht der BDM mit der Marke "faire Milch" Verbraucher für ein teures Produkt zu gewinnen und so den Landwirten bessere Auszahlungspreise zu verschaffen. Das klingt plausibel, schafft aber die grundsätzlichen Probleme nicht aus der Welt: Egal, ob die neue Marke zusätzlich zu den anderen Breisgaumilch-Produkten kommt oder die ebenfalls hochpreisige Weidemilch ersetzt – ein Geschäft ist das nur, wenn mehr verkauft wird als bisher.
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Verbraucher, die bisher Marken wie Berchtesgadener oder Südmilch erwarben, oder gar billige Handelsmarken in den Einkaufskorb stellten, müssten umschwenken. Das ist nicht ausgeschlossen. Vielleicht wird "faire Milch" ein bundesweiter Renner. Man sollte die Gruppe der Verbraucher, die bereit sind, für ein fair genanntes Produkt mehr zu bezahlen aber nicht überschätzen. Fair gehandelten Kaffee gibt es seit Jahren, er hat einen Marktanteil von zwei bis drei Prozent.
Ob sich die neue Marke für die Landwirte lohnt, hängt vom Absatz ab. Der BDM verspricht Lieferanten 40 Cent pro Liter Milch. Zur Zeit zahlt die Breisgaumilch 29 Cent. 40 Cent für alle Erzeuger gab es kurzzeitig 2008, als Milch und Milchprodukte sehr teuer waren. Danach ging es steil abwärts – auch weil die Verbraucher weniger kauften. Diese 40 Cent für alle sind derzeit unerreichbar. 40 Cent nur für diejenigen, die den Rohstoff für "faire Milch" liefern, würde zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Erzeugern führen.
Das widerspricht aber dem Gedanken der Solidarität, der in einer Genossenschaft einen hohen Stellenwert hat – oder zumindest haben sollte. Die 1600 Lieferanten der Breisgaumilch sind durch den Streit in den vergangenen Jahren bereits in zwei Lager gespalten. Die neue Breisgaumilch-Spitze ist dabei, den Graben zu vertiefen.
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Autor: Jörg Buteweg
