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10. März 2010

Die patriotische Karte

Warum ein Tankflugzeug für das US-Militär nur von Boeing gebaut werden darf.

Technisch besser, aber politisch ohne jede Rückendeckung – im Rennen um einen der größten Rüstungsaufträge aller Zeiten zieht der europäische Luftfahrtkonzern EADS in den USA den Kürzeren. Das ist ärgerlich und riecht nach Protektionismus. Es war aber schon seit langem absehbar.

Dass sich EADS nach dem Ausstieg seines US-Partners aus dem aussichtslos gewordenen Bieterwettbewerb verabschiedet, obwohl man die Ausschreibung vor zwei Jahren gewonnen hatte, ist nur konsequent. Allein auf weiter Flur hätte EADS nicht den Hauch einer Chance gehabt, den Platzhirschen Boeing auf eigenem Terrain zu verdrängen. Nicht zuletzt spart dieser Schritt Geld, das EADS sinnvoller auf seinen offenen Airbus-Baustellen einsetzen kann. Die Hoffnung allerdings, endlich auch auf dem US-Markt Fuß zu fassen, rückt nun in weite Ferne.

Dass Washington hinter den Kulissen die Strippen zog, um den europäischen Konkurrenten aus dem Rennen zu kegeln, ist offensichtlich. Die US-Luftwaffe als Großbesteller neuer Tankflugzeuge hatte das europäische Modell bekanntlich bevorzugt und zeigt sich nun entsprechend enttäuscht. Doch der US-Regierung unter Barack Obama war das politische Signal wichtiger, ein reines US-Unternehmen bei diesem Milliardenauftrag zu begünstigen. Es zeigt sich dabei nicht zum ersten Mal, dass gerade auch Obama – trotz all seiner rhetorischen Bekenntnisse, den freien Handel zu fördern – vor protektionistischen Versuchungen nicht gefeit ist. "Buy american" – so etwas kommt gut an im krisengeschüttelten Land. Da lässt es sich verkraften, wenn sich der strukturschwache US-Bundesstaat Alabama auf der Verliererseite wiederfindet. Dort hatte EADS für die Tanker-Luftflotte ein eigenes Werk bauen und Tausende von Jobs schaffen wollen.

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Dass Boeing mit der Rückendeckung Washingtons seinen Heimvorteil ausspielen konnte, ist allerdings auch aus anderen Gründen kaum verwunderlich. Gerade auf dem Rüstungsmarkt fehlt es nach wie vor an grenzüberschreitendem Wettbewerb. Auch Europas Rüstungsindustrie setzt daheim auf die patriotische Karte, ungeachtet der explodierenden Kosten etwa beim Militärtransporter A 400 M. Die Militärsparte der Airbus-Mutter EADS profitiert in Europa vom Prinzip der verriegelten Märkte, so wie Boeing das in den USA tut.

Mehr Wettbewerb wäre gewiss wünschenswert, schon mit Blick auf die Steuermilliarden, die jede militärische Neuentwicklung kostet. Er bleibt aber so lange Illusion, wie mit Tricks und unfairen Methoden der jeweils eigene Markt geschützt wird. Klassischen Anschauungsunterricht für diese Art von Politik haben die USA gerade geliefert. EADS/Airbus bleibt nur die Hoffnung, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zum Zuge zu kommen. So gewaltig ist der Gesamtauftrag, dass ihn ein einzelnes Unternehmen kaum zu stemmen vermag.

Autor: Joachim Rogge