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21. Juni 2012

Unterm Strich

EM-Besuch in Polen: Edelfan Merkel

Weshalb der Besuch der Kanzlerin beim EM-Viertelfinale riskant ist / Von Thomas Fricker.

Also doch! Die Kanzlerin sitzt am Freitagabend auf der Tribüne, wenn Jogis Jungs die Griechen aus der Euro 2012 kicken. Oder geht die Geschichte am Ende umgekehrt aus? Zerstören zornige Hellenen mit Zeus’ Hilfe und einem Fußballkugelblitz die germanischen Panzer?

Okay, das ist jetzt wieder in diesem dämlichen Militaristenjargon geschrieben. Leider geht es in diesem Fall nicht anders. Die Griechen selbst schwadronieren über das nahe Viertelfinale wie über den Krieg. Allen voran die griechischen Medien schüren eine Stimmung, als gelte es, in Danzig Rache zu nehmen für Jahre der Knechtschaft und Ausbeutung unter deutscher Knute.

So gesehen ist es von Angela Merkel ganz schön mutig, ins Stadion zu kommen. Uns kleinen Wahlbürgern beweist das, was für ein toller Fußballfan die Kanzlerin ist. Sami Khedira hat schon recht, wenn er Merkel einen Edelfan nennt.

Als Normalfan frage ich mich allerdings, ob ihr Besuch klug ist. Könnte es nicht sein, dass die Griechen erst recht wütend werden, wenn sie Merkel auf der Tribüne erspähen? Was ist, wenn Stürmer Georgios Samaras, der Namensvetter des neuen griechischen Regierungschefs, prompt doppelt so scharf schießt? "Einer muss Blut spucken, um uns zu besiegen", droht Trainer Fernando Santos. Will Merkel unseren Ballkünstlern das zumuten?

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Anstatt die deutschen Titelchancen zu schmälern, hätte die Kanzlerin ihr Euro-Krisentreffen in Rom wie geplant durchziehen sollen. Gemeinsam mit den Regierungschefs der Viertelfinalisten Frankreich, Italien und Spanien hätte sie dann einmal ausgiebig über die Griechen ablästern können, ohne dass es die an jenem Abend gekratzt hätte.

Nun muss in Rom wieder alles hopplahopp gehen. Nicht mal für die kleinste Analyse bleibt Zeit. Obwohl, wahrscheinlich fühlt sich Angela Merkel in dieser Runde sowieso unwohl. Sie muss ja immer damit rechnen, dass Spanier und Italiener bald die nächsten Griechen sein könnten – in der Euro und beim Euro.

Autor: thf