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10. März 2010
Entwicklungspolitik: Streitschrift wider Afrikas Diktatoren
BUCH IN DER DISKUSSION: Volker Seitz legt dar, warum die deutsche Entwicklungspolitik den Falschen hilft.
Afrika stellt in vielfacher Hinsicht ein Ärgernis dar: Der Kontinent will sich nicht – zumindest nicht nach westlich-europäischen Maßstäben – entwickeln und seinen Menschen ein menschenwürdiges Leben bieten. Und dies nach 50 Jahren staatlicher Unabhängigkeit, begleitet von 2,3 Billionen Dollar, die in dieser Phase nach Afrika (südlich der Sahara) geflossen sind. Dies entspricht sechsmal mehr als die Europäer durch den Marshallplan erhielten. Woran kann das liegen? Man sollte annehmen, dass Entwicklungspolitiker und Wissenschaftler mit vereinten Kräften nach den Gründen für diesen Misserfolg suchten. Aber dies geschieht leider nur begrenzt; jedenfalls wird keine Strategie sichtbar, wie sich diese betrübliche Situation zum Besten wenden könnte. Hier setzt der Autor Volker Seitz an; er fordert, die wahren Gründe für das in seinen Augen umfassende Scheitern zu benennen.
Wer ist der Autor? Seitz ist nicht ein kritischer Journalist oder ein frustrierter Ex-Entwicklungshelfer, sondern ein Diplomat im Ruhestand. Seitz hat 17 Jahre in afrikanischen Ländern verbracht – zuletzt war er Botschafter in Kamerun. Dies ist bemerkenswert: Nicht viele Diplomaten haben nach Dienstschluss so klare Worte zu ihrem Arbeitsbereich und über ihre Gastländer gefunden; sie haben sich zumeist in Schweigen gehüllt. Seitz hingegen: "Wahre Freundschaft gegenüber Afrika muss in Zukunft kritische Zusammenarbeit bedeuten." Was ist das zentrale Anliegen des Verfassers?
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Seitz spricht in seinem Buch von der "Entwicklungshilfe-Industrie", die 100 000 Menschen in Deutschland (und Übersee) beschäftige und kein Interesse daran habe, "die Zelte in einem Land abzubrechen, nur weil es dort keine gute Regierungsführung gibt". Dieses Argument könnte durch Beispiele untermauert werden. Er könnte auch feststellen, dass in diesen Organisationen viel empirisch getränkte Erfahrung versammelt ist – gar nicht zu reden vom Engagement, das für eine bessere Afrikapolitik eingesetzt werden könnte, ohne dass Arbeitsplätze verloren gehen müssen. Ist diese "Industrie" aber zu einem Wandel fähig? Dies bezweifelt Seitz. Was müsste sich ändern, um eine neue Afrika-Politik auf den Weg zu bringen? Dies ist das letzte Kapitel des Buches und es ist leider etwas zu lapidar geraten: Die Landwirtschaft sollte primär gefördert werden, um die Ernährungsbasis zu verbessern; die "kleinen Leute müssen durch Kleinkredite gefördert werden"; die Frauen sollten der bevorzugte Partner in der Zusammenarbeit sein; die Hochschulbildung sollte verbessert werden.
Dies können Anregungen zum Umdenken sein, nicht Patentrezepte. Offensichtlich ist die politische Kultur in Afrika allzu weit von einer Gemeinwohlorientierung entfernt, die die Grundlage für eine ausgewogene Entwicklung sein müsste. Seitz’ Buch ist eine Streitschrift, aber es ist treffend in seiner Kritik der herrschenden Klasse in afrikanischen Staaten: "Es gibt ein anderes Afrika als das korrupte. Dieses Afrika müssen wir unterstützen." Es lohnt sich, in dieser Richtung nach Alternativen zu suchen. Seitz’ Buch bietet dafür viele Anregungen.
– Der Autor ist Professor der Politikwissenschaft im Arnold-Bergstraesser-Institut an der Universität Freiburg.
Autor: Hans Ferdinand Illy
