Tagesspiegel

Flüchtlinge im Nachtleben: Kulturschock in der Disko

Thomas Fricker

Von Thomas Fricker

Mo, 25. Januar 2016 um 00:00 Uhr

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Ausländer in Freiburg haben derzeit Probleme, ungehindert Diskos und Clubs zu besuchen. Die Nachricht heizt die Stimmung weiter an. Dabei sind gerade jetzt nüchterne Debatten nötig.

Die Aufregung ist über den beschränkten Zutritt für Flüchtlinge in Freiburger Clubs ist groß – und wieder einmal wird als Schuldiger zuerst der Überbringer der schlechten Nachricht ausgemacht.

Die Badische Zeitung, so behauptete jetzt ein Freiburger Club, habe reißerisch und polemisch über "Vorfälle" mit Flüchtlingen berichtet. Dass diese Vorfälle so gravierend waren, dass eben dieser Club – wie auch andere Diskotheken – Zutrittsverbote aussprach, hätten die Betreiber der Öffentlichkeit gerne verschwiegen; man will schließlich weltoffen sein.

Allerdings haben Unterdrückungs- und Beschwichtigungsreflexe mit Liberalität nichts zu tun. Im Gegenteil wachsen Vorurteile, wenn bei Bürgern der Eindruck entsteht, Unerfreuliches werde unter den Teppich gekehrt. Die einzelnen, aber doch wiederholt aufgetretenen sexuellen Übergriffe auf Besucherinnen Freiburger Clubs und Diskotheken sind mehr als unerfreulich. Sie sind ein Beispiel dafür, wie mühsam der Alltag werden kann, wenn einander fremde Kulturen aufeinanderstoßen – auf der Tanzfläche wie im richtigen Leben.

Wenn der Anschein nicht trügt, haben einige Clubs überreagiert. Dass darüber aber nun eine Debatte entbrannt ist, wie man es schafft, Regeln und Gesetzen Geltung zu verschaffen, ohne die große Mehrheit rechtschaffener Flüchtlinge zu diskriminieren, ist trotzdem erfreulich. In der derzeit bundesweit aufgeheizten, ja fast hysterischen Stimmung kann dieses Bemühen durchaus beispielgebend sein.

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