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13. September 2017

Kim in der Ecke

Die neuen Sanktionen gegen Nordkorea sind richtig – doch es braucht jetzt auch ein Gesprächsangebot .

Die Vereinten Nationen haben die Ölzufuhr für Nordkorea weiter gedrosselt und Geldquellen des Regimes verstopft. Das ist gut so. Um aber nicht das Gegenteil des gewünschten Ergebnisses zu bewirken, müssen Pjöngjang parallel Gespräche angeboten werden.

Ein Staat, der in die Ecke gedrängt ist, beißt. Je weniger andere Optionen Kim Jong-un bleiben, desto aggressiver wird er sich gebärden. Er erhofft sich von der konsequenten Entwicklung seiner Atomraketen zwei Dinge: Schutz vor einem von außen erzwungenen Regimewechsel sowie mehr Möglichkeiten, wirtschaftliche Wohltaten zu erpressen. Mit den Sanktionen bekommt er aber erst einmal das Gegenteil. Er wird weiter drohen, bis die Angebote mehr in seinem Sinne sind.

In Japan kursiert derzeit ein vielleicht etwas unpassender, aber lehrreicher Vergleich. Das japanische Kaiserreich hatte in den 1930er-Jahren China angegriffen, 1941 verhängten die USA deshalb Sanktionen gegen Japan – in dem Glauben, wegen der eigenen Überlegenheit keinen Angriff fürchten zu müssen. Tokio stand vor der Wahl, bald kein Öl mehr zu haben oder anzugreifen. Das bedrängte Reich entschied sich für die Aggression. Die Berater des Kaisers waren überzeugt, dass Washington nach einem Angriff einknicken würde – eine fatale Fehlkalkulation. Später fielen die Atombomben.

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Die Lage ist heute eine andere, aber das historische Muster beunruhigt die Japaner. Das Land liegt in Schussweite für Kims nuklear bestückte Raketen.

Die Sanktionen gegen Nordkorea sind zwar erst einmal richtig, weil sie eine gute Ausgangslage für Sondierungsgespräche schaffen. Kim kann allenfalls eine leichte Normalisierung seines Außenhandels von niedrigem Niveau aus erwarten. Steigt der Leidensdruck, wird er geneigt sein, Gesprächsangebote anzunehmen.

Nun ist es allerdings wichtig, dass von den westlichen Ländern und Japan ein Gesprächsangebot kommt. So weh es tut, sich auf das Spiel eines grausamen Diktators einzulassen: Eine Entschärfung der Lage hat kurzfristig gesehen Priorität. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf völlig recht, als er sagte, er würde notfalls mit Kim reden. Als Präsident twittert er, Verhandlungen kämen nicht in Frage. Doch wer seine Meinung einmal ändert, kann es auch ein zweites Mal tun.

Das Angebot von Kanzlerin Merkel, als Vermittlerin aufzutreten, hat einiges Gewicht. Deutschland gilt in Nordkorea als glaubwürdig. Die Bundesrepublik wird eher als Nachfolgerin der DDR denn Westdeutschlands gesehen. Deutschland war in Nordostasien nie Kolonialherr oder Kriegsgegner.

Wenn Kim Interesse zeigt, mit deutschen Vertretern über eine teilweise Kontrolle seiner Kernwaffen im Gegenzug für eine teilweise Aufhebung der Sanktionen zu sprechen – die Antwort sollte sofort "ja" lauten. Nur eins muss Bedingung sein: der sofortige Stopp aller Waffentests.

Autor: Finn Mayer-Kuckuk