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21. März 2017

Tagesspiegel

Kinder- und Jugendmonitor: Besser weniger Bürokratie

Die Armutsdebatte geht meist nicht über Schlagworte hinaus. Deshalb kommt der neue Kinder- und Jugendmonitor genau recht. Er zeichnet ein differenziertes Bild.

Die Zahlen sind beachtlich. Wer bei Google die Worte "Armut in Deutschland" eingibt, findet mehr als neun Millionen Ergebnisse. Und selbst beim Stichwort "Abgehängt leben in Deutschland" sind es noch 891 000. An Beiträgen zum Thema Armut mangelt es also nicht. Nur geht die Armutsdebatte meist nicht über Schlagworte hinaus ("Schere zwischen Arm und Reich"). Deshalb kommt der neue Kinder- und Jugendmonitor genau recht. Er zeichnet ein differenziertes Bild, das die erfreuliche Lage von Millionen Kindern und Jugendlichen benennt und zugleich kein bisschen schönfärbt. Obwohl Politiker jedweder Couleur seit langem erklären, wie wichtig Bildung sei, verlassen laut Monitor sechs Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule. Dabei ist keine andere Gruppe so häufig auf Dauer arbeitslos und arm wie die Ungelernten. Die Crux des Sozialstaats liegt nicht darin, dass er zu wenig Geld ausgäbe (die Kinder- und Jugendhilfe hat er seit 2000 mehr als verdoppelt). Vielmehr tut er sich schwer, schwierige Lebenslagen zu vermeiden. Manchmal steht er sich auch selbst im Weg. Alleinerziehende zum Beispiel haben für Unterhaltsvorschuss, Kinderzuschlag, Wohngeld und das Bildungs- und Teilhabepaket mit vier verschiedenen Behörden zu tun. Mehr Prävention, weniger Bürokratie – das ist der Weg, den die Politik dringend einschlagen muss.

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Autor: Bernhard Walker