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10. Februar 2016

Tagesspiegel

Krise bei German Pellets: Mittelstandsanleihen sind Papiere für Profis oder Zocker

7,25 Prozent Zinsen hat German Pellets seinen Anlegern versprochen - nun ist die Ökofirma in Finanznot. Ronny Gert Bürckholdt hält fest: Mittelstandsanleihen sind kein Teufelszeug, aber in jedem Fall nur etwas für Profis oder Zocker.

Kasse machen und das Klima retten – so schön kann Kapitalismus sein. Während Tagesgeld höchstens ein Prozent Zins bringt, versprach der Brennstoffhersteller German Pellets 7,25 Prozent. Er gab Anleihen aus, mehr als 10 000 Anleger griffen zu – viele auch, weil sie die Energiewende unterstützen wollten. Nun deutet vieles darauf hin, dass ein gehöriger Teil der mehr als 220 Millionen Euro weg sind. An der Börse sind die Anleihen fast nichts mehr wert. Gespräche mit den Anlegern über eine Schuldenerleichterung wurden hektisch abgesagt. Dass German Pellets in dieser Lage auf Anfrage schweigt, ist vielsagend. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Ökostrombetrieb Geld der Anleger verbrennt. Beim Solarzulieferer Rena aus Gütenbach und der Solarstrom AG aus Freiburg platzten Anleihen, beim Windkraftfinanzierer Prokon waren es Genussscheine. Wer bei der Geldanlage auf sein Herz hört, sollte seinen Kopf nicht ausschalten. Nur weil Ökoenergie Zukunft hat, gilt das nicht für jede Ökofirma. Ihr Wohlergehen hängt von vielen Unwägbarkeiten ab, etwa dem Auf und Ab des Ölpreises. Wer als Unternehmen Privatleuten horrende Zinsen bietet, tut dies, weil er woanders kein billiges Geld bekommt. Eine hohe Rendite ist nichts anderes als der Preis für ein hohes Risiko. Mittelstandsanleihen sind kein Teufelszeug, aber in jedem Fall nur etwas für Profis oder Zocker.

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Autor: Ronny Gert Bürckholdt