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30. August 2010

Unterm Strich

Sarrazin: Eine Respektsperson schafft sich ab

Stefan Hupka über einen Buchautor, der zum Opfer seines Stänker-Gens geworden ist.

Das muss man als Elitevorkämpfer und Zuwanderungsgegner erst einmal schaffen: dass sich sogar Elitevorkämpfer und Zuwanderungsgegner wie Roland Koch von einem distanzieren. Dem Noch-Sozialdemokraten Thilo Sarrazin ist dieses Kunststück am Wochenende gelungen – was für diese Woche dreierlei erwarten lässt: Der Mann wird nicht mehr lange Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank sein, er wird auch nicht mehr lange SPD-Mitglied sein, drittens wird ihn das alles nicht kümmern, solange sein am heutigen Montag erscheinendes Buch mit dem Titel "Deutschland schafft sich ab" in den erwartbar großen Stückzahlen über die Ladentische geht.

So wie der Autor charakterlich beschaffen ist, wird er in der verkauften Auflage ausschließlich eines erblicken: den Beweis, dass das politische Deutschland nur auf einen wie ihn gewartet hat. Einen, der endlich mal keine Rücksicht mehr nimmt auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt derer, die in Deutschland leben, sondern der sagt, wer hier stört und Schuld daran ist, dass "Deutschland immer dümmer und ärmer" wird. Schuld ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn wie dieser so unterbeschäftigte wie überbezahlte Gesellschaftstheoretiker dem Publikum am Wochenende mitgeteilt hat, können wir ja alle aus genetischen Gründen gar nicht anders, als uns so zu verhalten, wie wir es tun – die muslimischen Einwanderer, die Basken, die Juden und, tja – da fallen einem noch mehr Gruppen ein: Könnte es nicht sein, dass Sarrazins Kollegen von der Hochfinanz, die der Welt die Bankenkrise eingebrockt haben, von einem Spekulanten-Gen gesteuert waren, dass manch anderer mit einem Steuerhinterzieher-Gen zur Welt gekommen ist und dass der kommende Bestsellerautor selbst Opfer seines Stänker-Gens geworden ist? Man darf schon jetzt nicht allzu gespannt darauf sein, in welchem politischen Spektrum er Asyl bekommen wird, wenn für seine Genossen und die nicht minder genervte Bundesbankspitze das Maß voll ist. Aber es ist auch nicht schade drum.

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Autor: hup